Aber ich habe Dich nie emotional erpresst … oder doch?

Was bedeutet ‚Emotionale Erpressung‘? Wie geht man damit um und ist es eigentlich okay, Forderungen zu stellen und Bedürfnisse zu haben? Ein schwieriges Thema gerade, wenn man es ehrlich mit sich selbst betrachten will. Willkommen in einer Welt der emotionalen Erpressung.

Ein kleines Spiel für den nächsten Werbeblock, der Euch über den Weg läuft.
Was will Dir diese Werbung verkaufen und durch welches Gefühl entsteht das?
Sollst Du Dich schuldig fühlen, weil Du noch nicht umweltbewusst genug bist mit Deinem alten Auto?
Will sie Dich aufhetzen oder isolieren, weil Du ja mit diesem Parfum besonders und anders bist, als die Anderen.
Will sie Dich einlullen, wird Dein innerstes Kind mit Verniedlichungen wie „Liebes …“, und „weil Du es Dir wert bist“ angesprochen? Verspricht sie Dir, die einzige Unterstützung, die Du jetzt brauchst?
Das ist subtile/indirekte, emotionale Erpressung.

Anzumerken wäre:
Lass Dich nicht zum Objekt machen!
Mach andere nicht zum Objekt!
Sei mehr so das beobachtende Subjekt!

Zurück zur Hauptüberschrift, eine der schwerwiegendsten Fragen, die ich mir selbst stellen wollte.
Aber ich habe Dich nie emotional erpresst, oder doch?
Oh doch, … später mehr dazu.
Dabei ging es mir um meine bisherigen Beziehungen und um mir dass ehrlich zu beantworten, war vorerst eine andere Frage zu klären.
Was genau ist eigentlich, emotionale Erpressung?

Heute Morgen las ich, in einer der vielen, expandierenden Facebook-Gruppen über narzisstischen Missbrauch, wie eine Betroffene ungefähr feststellte:
„Anstatt froh zu sein, dass ich überhaupt noch antworte, stellt er per SMS nun Forderungen: Mach das und jenes für mich, dann bin ich wieder für dich da.“ *
Da fiel mir auf, dass ich noch einen Artikel über diese Taktik der Narzissten schreiben wollte und wie meine Selbstbeleuchtung dabei ausfiel.

Die Feststellung ist ein klassisches Beispiel für emotionale Erpressung, und zwar von beiden Seiten. Unbewusst und bewusst. Damit meine ich nicht bewusst im Sinne, sie wissen was sie tun, vielmehr, ob wir etwas verbal äußern oder nicht. Emotionale Erpressung fängt im Kopf an.

Im Beispiel, steht allem voran das die Betroffene bereits eine subtile emotionale Erwartung hat, und zwar, dass er froh sein soll, weil sie ihm antwortet.
Wenn Du Dich so fühlst, bin ich okay zu Dir. Wenn nicht dann nicht.
Dabei wird sie nicht sehen können, in welchem Gefühlsrahmen der andere wirklich agiert, sobald es nicht in das erwartete „Sei froh“ Muster passt.

Er benutzt emotionale Erpressung plakativ, verbal und direkt.
Wenn Du Dich so fühlst, das zu tun, bleibe ich bei Dir. Wenn nicht, dann nicht.
Und das ist emotionaler Missbrauch, auf toxischer und unfreiwilliger Beziehungsebene.

Doch kommt das nicht in allen erdenklichen Beziehungen vor?
Eltern-Kind Beziehungen … zwischen Lehrer und Schüler, selbst im Berufsleben? Deine Arbeit gegen Lohn. Bist Du nett zum Chef, gibt’s die Gehaltserhöhung? Wer erpresst da wen?

Wir selbst fordern auch und da kann man generell mal hinschauen, wie man es tut.
Manipulativ oder zwanglos? Das Zwanglose verlernt man in toxischen Beziehungen sehr schell. Dabei ist okay und förderlich, seine Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren und zu respektieren. Es ist nicht okay, zu erwarten, wie es andere finden. Also doch mehr so ein: Du darfst, wenn Du magst. Mir fällt auf, dass viele Menschen, inklusive mir selbst, eher auf den Abhängen der emotionalen Erpressung balancieren, statt sich bewusst zu sein, was sie da praktizieren und wie es uns in Sackgassen führt.

Und wie geht man damit jetzt am Besten um?
Kommunikation! Bei sich bleiben, Bedürfnisse erkennen und benennen, freundlich aufklären, wie genau warum man sich gerade „emotional bedrängt fühlt“ (emotionale Erpressung ist ein harscher Begriff) und sich zum Thema weiter belesen.

Für meine unbedachten Erpressungen der Vergangenheit musste ich mit Schamgefühl jonglieren, Manipulationsmuster (Passive Aggression) verstehen, Bedürfnisse respektieren und Grenzen verstehen. Oft rutschte mir so was über die Lippen wie:
„Jemand der einen liebt, würde doch so was nicht machen!“ oder
„Kannst Du mich nicht wenigstens mal in den Arm nehmen?“.

Heute ist mir derlei Gedanke allein, eine Warnleuchte, die sagen will:
Respektiere Deine eigenen sowie die Grenzen der Anderen! Wir verschieben gerne die Realität wenn wir außerhalb unseren eigenen Wahrheit, die andere nicht wahrnehmen wollen.

Lasst uns gemeinsam … weiter dazulernen.
Falls Ihr Lust und Laune habt, dazu beizutragen, nutzt die Kommentarfunktion (auch ohne Anmeldung möglich).

Die Schutzgärtnerin
Stand, Mai 2017
Alle Rechte vorbehalten

*Narzissten nutzen jede Möglichkeit Reaktion und Aufmerksamkeit zu bekommen solange sie nicht daran zu Grunde gehen, sprich: Sie erkannt werden und gefordert, durch Nichthandeln.

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4 Gedanken zu “Aber ich habe Dich nie emotional erpresst … oder doch?

  1. Danke, lieber Schutzgarten, für diesen schönen neuen Beitrag!

    Als erstes möchte ich ausnahmsweise 😉 mal Dich, den Schutzgarten, in Schutz nehmen…….denn, die Beispiele, die Du anführst, was Deine eigenen „Erpressungsversuche“ in der Vergangenheit angeht, haben m.E. nichts mit der klassischen emotionalen Erpressung zu tun. Beide Sätze die Du anführst, zeugen von einem emotionalen Wissen um das, was einfach da ist, wenn jemand den anderen wirklich liebt: Umarmungen, ja!, und ja!, wenn jemand wirklich liebt, oder auch nur den anderen achtet, tut er bestimmte Dinge tatsächlich nicht! Dein Herz wusste das alles-letztendlich hattest Du Dein eigenes Herz „erpresst“, indem Du an die Liebe desjenigen glauben wolltest, obwohl er Dich nicht (mehr) umarmte etc. Emotionale Erpressung hätte sich m.E. so angehört: ‚Wenn du mich jetzt nicht umarmst, dann……‘ ‚Du liebst mich doch schließlich, oder?, also tu dies und jenes nicht!‘

    Da meine Mutter Meisterin auf dem Feld der emotionalen Erpressung ist, weiß ich, auch erst so langsam, nach jahrelanger Auseinandersetzung damit und der eigenen Selbstreflexion (wirklich extrem wichtig), dass selbst ganz unbewusste Muster bei mir nicht annähernd an die wirkliche emotionale Erpressung heran kommen. Emotionale Erpressung wird berechnend angewandt! Ich habe mich gegenüber Partnern auch oft nicht so ausdrücken können, dass mein wahres Bedürfnis verständlich wurde. Denn ich war bedürftig ;-). Bedürftigkeit hat viel mit Abhängigkeit zu tun. Und Abhängigkeit, wie auch immer diese aussieht, ist der Nährboden für emot. Erpressung. Je freier ich mich fühle, sei es in meinen Überzeugungen, Handlungsspielräumen oder in meiner eigenen Zuneigung zu jemandem, desto weniger hat emot. Erpressung eine Chance. Dann ist auch die Kommunikation klar und so einfach :-). Ich habe bisher leider noch nie eine wirklich gesunde Beziehung zu einem Mann gehabt, aber: es gibt 3-4 langjährige Freundinnen und meinen Sohn in meinem Leben, mit denen es nie (beidseitig) Missverständnisse, emotionale Erpressung oder dergleichen gab und gibt. Da ist beidseitig Vertrauen, Interesse, Aufrichtigkeit und Verständnis. Es ist soo einfach, wenn beide Seiten das wollen und können. Da umarme ICH den anderen einfach, weil ich weiß, dass er es mag und es erwidert….

    Die Medien und die Werbung setzen m.E. eher auf die Verführung und auf die Suggestion eines „angeblichen“ Bedürfnisses. Da hilft einem der pure Menschenverstand dann doch oft weiter. „Weil wir es uns wert sind“….ist ja gut und schön, aber wenn ich mir die Inhaltsstoffe besagter Kosmetik genauer anschaue, frage ich mich, ob ich Erdöl und Silikon zu meiner eigenen Wertschätzung brauche??? 🙂

    Emotionale Erpressung ist jedenfalls das Widerlichste, das man sich selbst und anderen antuen kann. Es ist schäbig, würdelos, macht einen selbst und andere klein. Weil wir es uns wert sind, sollten wir alles dafür tun, andere Wege einzuschlagen……

    Liebe Grüße, Susanne.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich habe die Ahnung, dass mein Mann, von dem ich nun nach zwei Jahrzehnten getrennt bin, ein Narzisst ist….. jedoch habe ich selbst beim lesen ein so schlechtes Gewissen ihn für mich als solchen zu entlarven. Ich frage mich und Sie, ob dies schlechte Gewissen auch die Auswirkung der Manipulation des Narzissten ist? Er hat ja auch liebevolle Seiten gehabt. Aber: ich war alles Schuld und konnte seinen Anspruch im Haushalt und im Alltag nie gerecht werden. Ich hatte immer schon Angst davor, das etwas wieder nicht gut genug sein könnte in seinen Augen. Ich habe ihn als ganzes Paket mit allen Stärken und Fehlern geliebt, umgekehrt wurden meine „Defizite“ nicht akzeptiert und mit schlimmen Streits bestraft. Ich kann nach so langer Zeit so viele Beispiele nennen. Im letzten Jahr bekam ich Drüsenfieber und wurde Energielos. Er kümmerte sich zwar, aber nicht um die Auswirkungen: weniger Leistung, mehr Schlaf, weniger Aufmerksamkeit für ihn bestrafte er mit dem Vorwurf „du liebst mich nicht. Du tust nichts für mich.“ Ich zog mich immer mehr zurück um weniger Angriffsfläche zu bieten. Nun hat er sich getrennt.

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    1. Ja das „schuldig fühlen“ ist ein Teil des toxischen Beziehungskreislaufs. Ich rate dazu sich dringend Unterstützung zu holen, denn auch wenn es merkwürdig klingt, es geht nicht um Schuld oder Perfektion. Bedürfnisse in einer Beziehung dürfen kommuniziert werden doch wenn es nur um „Warten auf Erfüllung“ geht und subtile Bestrafung bei Nichterfüllung kann man sich selbst schnell den Selbstwert und Selbstachtung aberkennen, das nagt an der Slbstliebe. Da hilft eine Überprüfung der eigenen Beziehungsvorstellung und was man tatsächlich hatte.
      Versuchen Sie mit sich geduldig zu sein. Es ist doch wissentschaftlich erwiesen, gerade menschliche Zuneigung verstärkt den Heilungsprozess. Setzen Sie bitte nicht ihre Beziehungsideale auf eine Kippe nur weil da einer meint drüber zu springen. Liebe Grüße

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  3. Guten Abend lieber Schutzgarten,

    zunächst einmal vielen Dank für Ihre zahlreichen Beiträge zum Thema Narzissmus, die wirklich hilfreich sind.
    Ich finde, fand mich selbst immer wieder in missbräuchlichen Beziehungen wieder, aber ich habe mich zum Glück selbst daraus lösen können, jedoch nicht ohne gravierende seelische Folgen…
    Hm, emotionale Erpressung. Ich weiß nicht. Liebe ist Zuneigung, Harmonie, Freundlichkeit und noch soviel mehr, was beim Narzissten vergeblich zu suchen und zu finden ist. Komischerweise erkennen sie aber, dass es genau DIESES bei uns zu holen gibt. Ich wollte sagen, in liebevollen Beziehungen braucht niemand um Emotionen „kämpfen“. Ist schon Wahnsinn, was wir uns da angetan haben…
    Ich wünsche allen hier die Kraft, sich von diesen Tyrannen zu befreien.

    Liebe Grüße
    Isabel

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