„Ist mein Kind ein Narzisst? Und wenn, was nun?“

Können Kinder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickeln? Wie viel Narzissmus ist bei Kindern gesund. Woran merke ich, dass mein Kind ein Narzisst ist? Wie verhalte ich mich als Elternteil, Lehrer, Erzieher dieser Kinder? Aufmerksame Leser mögen mitbekommen haben, wie schwer mir dieses Thema fällt. Es fordert hohe Sensibilität und für betroffene Eltern gibt es selten gut gemeinte Ratschläge oder kaum Anlaufstellen für Unterstützung, dabei sind sie oft selbst betroffen, von Erfahrungen mit dem Thema.

In dem Beitrag „Was haben meine Eltern damit zu tun“ bin ich bereits auf die Prägung im Kindesalter eingegangen, in dem Beitrag über Gefühle und dem über Empathie bin ich auf die Entstehung von jener, Spiegelneuronen und chemische und soziale Außenwirkungen eingegangen.
Wobei ich in meinen Recherchen mehrmals auf die Frage stieß …

Vererben wir uns Traumata?

Nach neuesten Forschungen mehr als bisher angenommen. So setzt sich ein unverarbeitetes Trauma in unserer DNA fest und wird weitergereicht. Hier möchte ich daraufhin weisen das, wir das Trauma heilen, wenn wir aus dem Kreislauf ausbrechen können und somit für zukünftige Generationen eine andere Grundlage erschaffen.

Merke: Wächst ein Kind in einer Familie auf, die nicht gelernt hat den narzisstischen Missbrauchskreislauf zu durchbrechen, läuft es Gefahr nicht nur Opfer dessen zu werden, sondern auch die Täterrolle einzunehmen.

Doch ab wann ist man Narzisst?

Es gibt eine Menge Störungen, Persönlichkeitsstörung und Krankheiten, die aggressiv, empathielos oder pauschal gesagt narzisstisch daher kommen. Die NPS entwickelt sich bis zum 30. Lebensjahr, davor durchläuft der Mensch verschiedene Phasen der Entwicklung, die mitunter narzisstisch wirken, dennoch gesund sind. 1-3 Jährige sind im Grunde angewiesen auf andere und nutzen unbewusst Manipulation, um sich selbst Überleben zu sichern. Mit jedem weiteren Lebensjahr (viertes Lebensjahr) kommt das Ich-Bewusstsein dazu, hier ist das Kind am Lernen seine eigenen Bedürfnisse von denen der anderen zu unterscheiden. Und ab dem Alter machen sich ernsthafte Störungen in dieser Entwicklung bemerkbar. Ab dem siebten Lebensjahr beginnen wir Entscheidungen bewusst zu treffen (da wo Kinder eingeschult werden und acht Stunden täglich Anweisung seitens der Lehrer erhalten, ein Hoch auf Schulkonzepte die da der eigenen Entscheidung Vorrang geben) und eh wir uns daran gewöhnt haben, setzt die Pubertät ein und wir suchen zwischen Opfern und Wundern sowie der Rationalität der Welt, uns selbst.

Wenn dies alles in gesunden Grenzen geschieht, ist es nicht unbedingt ein gerader Weg, dennoch ein individueller. Wenn Kinder jedoch mit ungesunden Grenzen aufwachsen, versuchen sie diese auszugleichen und auch da folgen sie Muster. So neigen sie bis zur Mitte der Pubertät dazu sich um Eltern zu sorgen, fast selbst zu Eltern zu werden und rebellieren dann um so mehr, zeigen Wut oder narzisstische Verhaltensweisen, obwohl sie genau so nicht sind.

Um festzustellen, was dahinter steckt, sind Psychologen und Therapeuten gefragt, die sich mit der Materie auskennen. Ich rate: sich niemals den Schuh selbst anzuziehen.
Denn auch hier gelten ein paar grundsätzliche Regeln im Umgang und zum Kindeswohl.
So sollte auch eine narzisstische Störung frühzeitig als jene erkannt und mit entsprechenden Skills (Fähigkeiten mit bestimmten Gefühlen und Emotionen umzugehen), aufgefangen werden.

Woran erkenne ich es nun?

Es gibt Dinge, die auffälliger sind als andere und da kommen wir zu den menschlichen Zügen die psychopathisch anmuten, regelrecht Angst erzeugen können. Wenn man folgende Sachen häufiger beobachtet, würde ich persönlich dazu raten, dringend fachärztlichen Beistand einzufordern.

– Grausamkeiten gegenüber Tieren
– fehlende Empathie
– Nichtakzeptanz gesunder Grenzen
– Manipulation Gleichaltriger
– Aggression bei Nichtgelingen
– Lügengeschichten

All diese Faktoren können auch andere Hintergründe haben, PTBS, Autismus, gesundheitliche Schädigungen andere Art, wie bereits erwähnt, sollte dies von Fachärzten abgeklärt werden.
Der direkte Gang zum Psychologen/Therapeut wird oft seitens der narzisstischen Eltern/Elternteile untersagt, da ihnen klar ist, wo der Therapeut, genauer hinschauen würde … klar, auf die Eltern und das Umfeld.

Was kann man zusätzlich tun?

Egal was ist, liebe das Kind. Versuche das Kind in seiner Persönlichkeit und Bedürfnissen zu erkennen und setzte klare Grenzen.

Achtsamkeit und Selbstvertrauen sind wichtige Tools, die man versuchen sollte, in den Alltag zu integrieren.

Achte auf Deine eigenen Grenzen! Schütze Dich!
Das klingt merkwürdig, doch um Dein Kind zu lieben, wie es ist, darfst Du auch hier die narzisstischen Züge, nicht persönlich nehmen und dennoch klar davon Abstand nehmen sowie aufzeigen, wann es Deine Grenzen überschreitet.

Bestärke das Kind dazu Empfindungen und Meinungen äußern zu dürfen und höre zu.

Vorlieben erkennen und mit in die Alltagsplanung einbeziehen ist auch eine Form der Zuwendung, die so manche nervige Disziplinroutine erleichtert.

Überprüfe, ob Deine Erwartung und die emotionale Reife des Kindes übereinstimmen.

Erkennen und loben von Rücksichtnahme und Fürsorge. Eventuell durch Punktebelohnungssystem.

Konsequenz beim Fehlverhalten vom Kind selbst mitbestimmend festlegen lassen.

Vielleicht erinnerst Du Dich an das Gefühl endlich verstanden worden zu sein in all dem Gedankenchaos jemanden zu finden, der einem das Gefühl gibt: Es ist okay, auch mal nicht okay zu sein. Sei das auch für Dein Kind.

Fehler und Neuversuche zulassen, heißt:geduldig sein.

Bei Aggression empfiehlt Es sich, das Kind aus der Situation rauszunehmen und allen Reizen zu entziehen laut Graig Malkin und Tom Phelan (beides Psychologen) gilt hier die Faustregel 1 Minute pro Lebensjahr.

Freiwillige Arbeit/Vereinsarbeit, um ihnen soziale Strukturen näher zu bringen.

Natur, Natur Natur!

Und sich selbst vor gewissen Denkfallen/Glaubenssätzen bewahren, auf die ich im folgenden Beitrag näher eingehen möchte.

Sich selbst schützen.

Ich persönlich finde die Vorstellung, den Verdacht bei dem eigenen Kind zu spüren fast unerträglich doch auch naheliegend, ich möchte diesen Eltern Mut zu sprechen sich Beratung zu holen. Sich nicht zu verstecken, denn es sind wertvolle Jahre der Heranwachsenden, in denen man noch mitformen kann, egal was auf irgendeinem Diagnosezettel steht.

Und wenn die eigenen Kinder zur lebensbedrohlichen Gefahr werden, dann ist auch hier der Kontaktabbruch eine Möglichkeit, sich zu schützen. Jetzt wird vielleicht der ein oder andere, die Hände über den Kopf schlagen und erzürnt fragen:
“Wie, die eigenen Kinder im Stich lassen?“
Da frag ich zurück:
Und wie würdest Du in diesem Fall entscheiden?
In diesem?
Oder diesen Fällen ?

Manchmal ist es sicherer, sein Kind aus der Ferne zu lieben.
Bei einer derartigen Entscheidung ist vorherige oder begleitende psychologische Beratung ratsam.

Albert Einstein sagte einst:

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Mir fehlt die praktische Erkenntnis, um mit diesem Beitrag vollends zufrieden zu sein, von außen betrachtet scheint es mir „machbar“, „lösbar“. Bei meinen Recherchen bin ich auf das Thema Neurofeedback/Biofeedback gestoßen, welches erstaunliches im Bereich der Zusammenarbeit von Frontalkortex und limbischen System bewirkt.

Ich werde dazu nachforschen, ehe ich von dieser bahnbrechenden Methode berichte. Wer sich mit dem Problem: ‚Kind mit narzisstischen Zügen‘ konfrontiert sieht, sollte diesbezüglich nachfragen, bei dem Arzt des Vertrauens.

Wer Informationen oder seine Gedanken zum Thema hinzufügen möchte, den verweise auf die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag.

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
Stand August 2017
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5 Gedanken zu “„Ist mein Kind ein Narzisst? Und wenn, was nun?“

  1. Ich habe eine narzisstische Tochter und leide sehr darunter. Ich habe die Vermutung, dass meine 2. Enkelin (4), auch diese Züge hat. Sie lässt sich nichts gefallen, schlägt jeden und hat keine Empathie für Tiere oder Andere.

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  2. Meine beiden Kinder 12 und 9 J. haben narz. Anteile. Es ist ein sich wiederholendes Schema. Grenzüberschreitung, Wutausbrüche wenn ich nicht sofort das mache, was gewollt wird. Dann Vorwürfe, Selbstmitleid „ich bin schuld, ich bin dumm“, oder Sprüche (vom KV übernommen) „du hast es verdient“

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    1. Hallo Sandra, ich habe den Verdacht, dass diese Erklärung, narzistische Anteile, vieles am Verhalten meines Sohnes, 11, erklärt. Sein Vater ist narzistisch. Ich kämpfe dauernd mit Grenzüberschreitungen: Ich sage, tu dies, achte streng darauf, dass es auch sofort befolgt wird, ziehe alle Register der Ahndung (Handyentzug, Fernsehentzug…) und bis auf kurzfristige unmittelbare Verhaltensregulierung ändert sich seit Jahren genau nichts. Die selben Regelmissachtungen, keinerlei Durchhaltewille bei sämtlichen Tätigkeiten und Hobbies, die er gern täte, aber sich nicht sofort bahnbrechender Erfolg einstellt. Kein Wunsch, Verantwortung zu übernehmen. Keine Worte, um zu beschreiben wie es ihm geht, um auszudrücken, was er sich wünscht, um sich selbst Ziele zu stecken. Sind das narzistische Anteile? Und wie kann ich ihn zum gewünschten längeren Vaterkontakt schicken, zumal mit seinem 3jährigen Bruder? Wie ist das bei dir?
      Liebe Grüße, Mirjam

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  3. Auch eine meiner Töchter (alle erwachsen) ist so. Darunter leidet die gesamte Familie, da sie ihre beiden Kinder natürlich überall als Druckmittel einsetzt um die Menschen in ihrem Umfeld zu manipulieren, gegeneinander auszuspielen und gezielt fertig zu machen. Und sie steht immer als perfekte Frau und Mutter da bzw.in der Opferrolle. Es wird immer unerträglicher damit umzugehen, Kommunikation sehr sehr schwierig. Man macht es der Enkel/ Urenkel/ Nichten wegen. Aber irgendwann kann man selbst nicht mehr. Vor allem dieses Wissen, wenn man einmal nicht JA sagt (es muss nicht mal ein NEIN sein) oder vorsichtig Kritik übt oder versucht etwas richtig zu stellen geht die Hölle los.

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