7 Wahrheiten über die Arbeit am inneren Kind

Gerade wenn Probleme unser Leben bestimmen, uns der Überlebensmodus einholt, wollen uns
Coaches und manche Therapeuten zur selbstständigen Arbeit am inneren Kind animieren, doch aus professioneller Sicht ist es weniger ratsam, in einer destruktiven Lebensphase dieses Feld zu betreten. Warum und wann/wie es Sinn macht, steht in diesem Beitrag.

Selbst habe ich, im Rahmen meiner Therapie, mit der inneren Kind Arbeit riesige Erfolge erzielt. Meine Erfahrung war schmerzhaft, verstörend und wundervoll, unter der Anleitung eines geschulten Menschen. Mit viel Geduld. Und sehr viel Eiscreme und Schokolade. Letzteres wende ich heute noch regelmäßig an.
Hier meine Gedanken zur Arbeit mit dem inneren Kind.

1. Das Betrachtungsmodel für den Blick in die Vergangenheit vs das Kind in mir wahren.

John Bradshaw, Erika J. Chopich und Magaret Paul entwarfen das Model, um sich mit Erinnerungen unserer Kindheit auseinanderzusetzen. Es geht dabei, um eine Art Reise in unser Gehirn. Ein tiefenpsychologischer Blick in das Erinnerungsvermögensarchiv, um Gefühle, Sichtweisen und Erfahrungen, die da in der Kindheit abgespeichert wurden, aufzuarbeiten. In der Psychotherapie gibt es verschiedene Methoden damit zu arbeiten und ist eine „Aufdeckungs“-Arbeit.
Vom inneren Kind sprach bereits Freud und mittlerweile scheint der Markt für die Arbeit mit dem inneren Kind zu boomen. Und es gibt auch viel aufzuarbeiten.

2. Der emotionale Körper zwischen Physik und Nonphysik

Der emotionale Körper speichert unsere Gefühle und kann uns regelrecht an sie binden. Irgendwo liegt der Ursprung immer in unserer Erinnerung, der Punkt der sich einbrennt und unsichtbar sich manifestiert. Das kann zur Traumabindung führen, wir erzeugen unbewusst das Erlebte wieder und wieder. Es ist unser inneres Triggermartyrium.

3. Das Fragmentieren der Schatten ist nicht ungefährlich.

Es klingt einfach und gelingt auch recht schnell, die ersten wunden Punkte zu treffen, doch es ist ein bisschen schizophrene Arbeit und wie puzzeln (einzelne Fragmente zusammensetzen), was die meisten bei diesem Selbstexperiment herausfinden/feststellen, ist der nächste Trigger. Dieses: „Ich muss da heilen“ und das wäre die Arbeit. Dabei entsteht die Gefahr sich selbst abzuspalten, noch mehr zu fragmentieren als nötig. (Danke für den Hinweis eines Lesers, das „defragmentieren“ hier das falsche Wort war 😉 ❤ )

4. Therapeut und eine gewisse Stabilität sind notwendig.

In der Psychotherapiearbeit geht man diese Trigger der Reihe nach durch und fügt diesen Situation einen weiteren inneren Part hinzu, der unser inneres Kind nicht mehr allein dastehen lässt.
Es geht darum den Schmerz anzunehmen, ihn zu umarmen, uns selbst zu umarmen.
Ihr seht, da wird man aufgespaltet, und unter Anleitung je nach Therapieform: ein innerer Erwachsener, innerer Regisseur oder helfende Wesen hinzugezogen und auch in den Alltag integriert. Deshalb sind eine begleitende Anleitung und eine gewisse Stabilität unabdingbar.

5. Die Arbeit am Inneren Kind ist sinnvoll und eine Lernerfahrung.

Sinnvoll und ratsam: unterstützend zur Traumatherapie, bei gefühlter Abspaltung oder Vereinnahmung vom inneren Kind, Verlustängsten, wenn Du Dich bereit fühlst.
Was Du erlernst: Trauern, Empathie sich selbst gegenüber, Selbstannahme, Selbstbewusstsein, Selbstakzeptanz und ein möglicher innerer Dialog, der Dich eventuell umhauen wird.

6. Schütze Dein inneres Kind!

Schattenarbeitsprozesse sind etwas sehr Persönliches und ich finde es gerade zu erschreckend, wie viele diese ins Internet, Foren und Gruppen öffentlich „angehen“. Es ist wundervoll, wenn Ihr anfangt, Euch damit zu beschäftigen, zu lesen und sich dem Thema zu öffnen. Erfahrungsgemäß finden es innere Kinder nicht so prickelnd vorgeführt zu werden, Ihr macht Euch, damit verletzlicher als Ihr seid. Jemand Fremdes kann versuchen Dein Trauma aufzulösen, doch es ist (D)eine Arbeit, die Dir schlecht abgenommen werden kann und wie beschrieben in psychotherapeutische Hände gehört. Mach Dich nicht verletzlicher als Du bist. Ein weiterer Aspekt ist, dass Du Gefahr läufst, andere damit zu triggern, die noch nicht so weit sind. Siehe 3. und 4.

7. „Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben.“ Erich Kästner

Etwas anderes ist die Vorstellung seinem innerem Kind
– etwas Gutes zu tun,
– es Mal rauszulassen, um Spaß zu haben,
– es genießen lassen,
– kreativ zu sein oder verliebt zu sein.
Diese Form der Arbeit ist eine Form: Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstwert wahren zu lernen.

Und dazu will ich hier ermutigen, zu jeder Tages und Nachtzeit.
Erinnert Euch daran, heute ein glückliches Kind sein zu dürfen.
Und wem dies schwerfällt, der sollte schauen, ob er sich bereit fühlt, daran zu arbeiten.
Gedanklich zwinker ich Dir zu, Du hast doch bestimmt noch eine Hose zum Rumräubern daheim?

Buchtipp aus der Reihe…

Wer Tipps sucht sein inneres Kind positiv zu begleiten oder Anregungen benötigt, wie man für sich aktiv dem inneren Kind, die Sonnenseite zeigt, der findet in diesem Buch alles, was er braucht.

Das Sonnenkind-Prinzip von Julia Tomuschat

Die einzelnen Übungen sortiert und zusammengestellt von Julia Tomuschat, stammen aus den unterschiedlichsten Therapieansätzen und bieten einen breiten Überblick an verschiedenen Autoren zum Thema.

Das einige der Übungen mit dem bitteren Beigeschmack daher kommen NLP Techniken vorzustellen, die weder dem inneren Kind schmecken dürften (lerne zu sein wie jemand anderes), noch auf dem Weg zur Selbstliebe dienlich sind, wird mit anderen wundervollen Ideen ausgeglichen.

Ich hätte mir mehr Inhalt zum Sonnenkind und Vertrauen in die eigene Inspiration seitens der Autorin gewünscht, die man Ihr durchaus zutraut, beim Lesen des Buches. So ist es eine wertvolle Sammlung, die Hinweise beinhalten das innere Kind, aber auch äußere Kinder anzuregen – einfach zu sein. Vielleicht ein Buch für Dich?!
ISBN: 978-3-424-63127-2
Erschienen: 19.09.2016 Kailash Verlag
zur Verlagsgruppe Random House FSC

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
Stand August 2017
Alle Rechte vorbehalten

3 Kommentare zu „7 Wahrheiten über die Arbeit am inneren Kind

  1. Hallo 🙂

    Ich kann mit diesem Konzept des inneren Kindes irgendwie nichts anfangen. Kann es einfach sein, dass manche einfach einen anderen Zugang brauchen ?

    Ich kann da nichts visualisieren, fühlen oder gar mit irgendwem sprechen …null.

    Ich bin generell kein besonders gefühlsbetonter Mensch – eher rational, sachlich und analytisch.

    Das war ich aber schon immer …ich habe mich schon als Kind mit komplexen Fragestellungen beschäftigt und weniger mit Gefühlen und Emotionen.

    Ich bin da etwas ratlos …

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    1. Hallo Anna, wie im Beitrag beschrieben -denke ich- ist es ja eben eine Therapieform von vielen und nach meiner Vorstellung schwer mit sich allein zu händeln, dann hätte wir ja eine Allgemeine Lösung und sowas, ist aus meiner Sicht, in der Komplexität der Psychologie kaum möglich. Es gibt ja nicht immer Störungsbilder, sondern auch sowas, wie: Charaktermerkmale, Persönlichkeitstypen. Solange es Dir und Deinem Umfeld keine Probleme bereitet, denke ich, ist es kein Grund sich da Sorgen zu machen, mir fallen viele Situationen, Jobs und Lebenslagen ein, wo das sehr wichtig ist, sich nicht gerade von Gefühlen leiten zu lassen. Liebe Grüße und danke für Deinen Beitrag.

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    2. Hallo Anna, das Konzept mit dem Inneren Kind ist ein Modell, ich brauche es auch nicht. Für mich ist es nicht nötig. Ich arbeite mit Logosynthese von Dr. Willem Lammers, einer Methode, wo man keine solchen Umwege nimmt. Nicht, dass ich das jetzt ganz ablehnen wollte, die Arbeit mit dem inneren Kind. Das mag für viele ganz erfolgreich sein. Aber ich persönlich schätze den direkten Weg: ich bin ich, hier und jetzt, und ich will mich nicht spalten in zwei Teile: in mich im Jetzt und in ein inneres Kind von früher 🙂

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