Spiegel nicht! Spiegel Dich! Warum und wie!

Der narzisstische Spiegel ist eine Gesellschaft, die sich gern in den Augen der Narzissten sieht. Ich schreibe von der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und erhöhte narzisstische Züge, die Leid erzeugen, auf beiden Seiten. Ich schreibe über Täter und Opfer und etwas, was sich Opferkontrolldynamik nennt. Warum wir spiegeln und wie … sowie warum und wann es besser wäre, jenes zu unterlassen.

Narziss sah sein Antlitz im See, Echo die ihn dabei betrachtete und nicht abließ von ihrer Vorstellung, von Liebe und hoffnungslosen Besessenheit diesen Narziss, der sie nicht sah … oder wahrnahm, ihr nicht antwortete, eines Tages so lieben zu können, wie sie wollte. Und Narziss ertrank in sich selbst während dessen.

Der Schmerz, der Echo, er hallte nach, doch auch der See war betrübt, nach Narziss Tod. Die Nymphen fragten den See, was ihn so sehr an seinem Tod betrübte. Der See antwortete:
Um den Jüngling ginge es ihm nicht, nur in seinen Augen … da konnte ich mich so gut darin spiegeln. Ich werde mich hier wiederholen für eifrige Leser, und auch über den nächsten Aspekt wurde im Schutzgarten bereits geschrieben.

Spiegelneurone!

Bevor ich auf das nicht spiegeln komme, belebe ich noch mal das Thema Spiegelneurone.
Nun wird der dazugehörige Wikipedialink nicht alles erklären können, denn tatsächlich ist die Forschung noch dabei zu entdecken, doch bevor ich hier mich um Kopf um Kragen schreibe …

Diese Spiegelneurone sind verantwortlich für unsere Entwicklung, Empathie und wohl noch einiges mehr. Wir können durch Beobachtung lernen, ahmen nach und können, dank dieser Zellen, selbst durch unsere Augen spüren. Oder was denkt Ihr, warum schauen sich Menschen gerne so was an?

Diese Spiegelneurone sind auch die Mitverantwortliche, die uns im Glauben lassen, jemand würde dies oder das sein, wenn dieser Mensch nur halbwegs unsere Bedürfnisse verstanden hat, bevor wir sie verstehen. Wenn uns jemand glauben lassen will, was er will, was wir glauben sollen.
Wie würde jemand, eine derartige Anlage nutzen, ohne Gefühlsempathie zu besitzen und mit einer gestörten Selbstwahrnehmung?

Und wie sieht es hinter dem Spiegel aus?

Heißt wir spiegeln in Beziehungen bewusst, unbewusst.
Wir übernehmen Verhaltensweisen bewusst und unbewusst und auch Gedanken.
So kannst Du ein Gefühl bekommen, nicht gehen zu dürfen. Du etwas Negatives verdient hättest oder Deine Handlung Aktivismus wäre, wobei Du nur noch realistisch betrachtest, reagierst. Stichwort Passive Aggression. Stichwort emotionaler Missbrauchskreislauf.

Auf der einen Seite dient dies zur Gemeinschaft und Evolution, auf der anderen Seite …
Was ist, wenn Dein Spiegel gegenüber psychopathische, soziopathische Züge hat? Dann wird es zu einer Art bewusstem, unbewusstem Spiel. Im schlimmsten Fall bezahlt man es mit dem eigenen Leben, doch Depersonalisierung, Depression, Angststörungen und Neurosen sind auch keine guten Begleiter und eventuell auch ein dringender Hinweis, sein Umfeld und sich selbst zu betrachten ohne das Spiegeln.
Sich zu fragen: Kommt das wirklich von mir?

Empathielos im Sinne vom „Die Gefühle des Anderen als irrelevant einzustufen“
ist wie farbenblind zu sein, das fällt den meisten Menschen überhaupt nicht auf, nicht mal den Betroffenen selbst.

Hast Du die Metaebene des Geistes schon erreicht und kannst es überblicken?
Also … , selbst wenn, vermutlich war, es ein Moment unter extremen Bedingungen, weniger ein Dauerzustand. Wir beginnen als Baby unsere Neuronenkreise anzuschalten und aus. Licht an. Licht aus. Was als Kind noch Magie und Wunder war wird irgendwann rational und integriert. Denkst Du heute noch darüber nach oder wundert es Dich? Wir haben uns daran gewöhnt.

Du denkst, Du hast es mit einem Manipulator zu tun, bist auf eine narzisstische Persönlichkeit getroffen, in einer derartigen Beziehung gefangen aber Dir nicht sicher, wie Du jetzt aktiv agierst, hinter die Spiegel schauen kannst, Deine Seelenenergie rettest?

SPIEGEL NICHT!

Werde Beobachter!
Sauge es nicht mehr auf.

Wie verläuft das nächste Gespräch, wenn Du selbst nur zu einem blinden Spiegel wirst, der nichts zurückgibt. Hätte diese (Nicht)Handlung Echo aus der ‚Narziss und Echo‘ Sage angewandt, hätte sie gesehen, dass ihr ein Bild gefiel, welches sie projizierte und dadurch nicht mehr fähig war, sich selbst zu spüren.

Und der See? Wenn ihn die Eigenschau ereilt hätte? Ihr erinnert Euch? Um den Jüngling ging es nie.
Nun er wäre eher in seine Depression gefallen, doch die Nymphen hätten gefragt: Warum bist Du betrübt? Narziss aber … hätte dafür keinen Platz, denn in seinem Spiegel sah er stets nur sich selbst, oder nicht.

Womöglich wäre er noch weiter gelaufen auf der Suche nach seinem Spiegelbild oder wäre wütend geworden.

Versucht es mal aus, dieses Nichtspiegeln.
Und wenn Ihr was spiegeln wollt, dann nehmt doch vorübergehend, die Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen des Anderen, es könnte der Schritt zu Euch selbst werden.

Eine weitere Übung, wenn Ihr stabil seid, wäre sich mit dem eigenen Spiegelbild auseinanderzusetzen. Gebt Euch mal 10 Minuten mit Eurem Spiegelbild in liebevoller Betrachtung und bleibt dennoch bei Euch. Das kann durchaus auch schmerzvoll sein. Deswegen bitte ich Euch diese Übung anzugehen, wenn Ihr Euch wohlfühlt, oder/und mit erfahrener Begleitung.

Das Bild hinter den Spiegeln ist komplex und individuell, gib Dir Zeit diese Erkenntnisse zu verarbeiten. An dieser Stelle danke ich, der Fragenstellerin an das Erinnern, gefühlt ist dies ein reichlich verspäteter Beitrag. Ich hoffe trotz der Metaphern, das „nicht spiegeln“ erklärt zu haben. Falls dennoch fragen offenbleiben (und da bin ich mir fast sicher),
frag den Schutzgarten oder andere, die sich mit dem Thema befassen.
Über Kommentare freue ich mich.

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
September 2017

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13 Gedanken zu “Spiegel nicht! Spiegel Dich! Warum und wie!

  1. Ein wirklich sehr tiefgründiger Text…

    Ich lese ihn jetzt bestimmt schon ein 10. Mal – und immer wieder kommen andere Aha-Effekte zustande – weil man sich zu späteren Zeitpunkten wieder mit anderen Dingen auseinandergesetzt hat und immer besser auf das große Ganze blicken kann.

    Ich empfehle, diesen Text mehrere Male zu lesen – verteilt auf mind. 8 Wochen.

    Bis jetzt lerne ich mit jedem Mal immer wieder dazu. Mal lese ich den Text seeehr langsam, dann im mittleren Tempo und auch mal zügiger. Jedes Mal ein anderes Verstehen und eine andere Perspektive.

    Es ist nicht einfach.

    Vor allen Dingen nicht die Praxis.

    Aber der einzige Weg zu mir selbst.

    Danke.

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      1. Interessant 🙂

        Was mich auch noch nachdenklich gemacht hat:
        „Spiegle nicht – spiegle dich.“
        Ich störe mich an dem „Spiegle dich“. Eigentlich spiegle ich ja nicht mich, sondern ich bin ich. Ich bin einfach nur ich. Und lasse mich nicht durch mein Gegenüber in meinem Sein beeinflussen. So ist es doch gedacht, oder?
        Es ist eher ein „Spiegle nicht – bleibe ich“. Oder so 😉

        Mit der Geschichte Echo – Narziss – See kam ich immer wieder ins straucheln wer jetzt wen und sich in wem spiegelt. Da kann man tatsächlich etwas durcheinanderkommen. Echo bekommt ja nichts gespiegelt, oder? Sie versumpft sozusagen im Spiegel des anderen – so ähnlich wie Treibsand – ah, cooles Bild 🙂 Kann nicht bei sich bleiben. Wie wenn schwarzer Stoff die Sonne nicht reflektiert.

        Ich glaube – ich denke noch ein paar Mal drüber nach 🙂

        Auch danke und einen schönen Tag,
        Julia

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      2. Ach je – alle drei wissen nicht, woher sie ihre eigene Kraft – die jeder in sich selbst trägt und die einem halt gibt – schöpfen können.

        Traurig.

        Jetzt überlege ich mal noch, wann Spiegelneurone etwas Gutes bewirken. Das verliere ich gerade vor lautem Entsetzen außer Augen 😉

        Ich glaube, Spiegelneurone erfüllen einen freundlichen Zweck, sofern man weiß, wer man selbst ist und wenn man bei sich bleiben kann.

        Da habe ich noch etwas zum Nachdenken, auf meinem Weg 🙂

        Loslassen – man muss seine Projektionen loslassen. Und vertrauen, dass da in einem etwas schlummert, das gesehen werden möchte.

        Mut und Geduld.

        Ach ja 🙂

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      3. Gute Überlegungen, Spiegelneurone sind überlebenswichtig selbst für Tiere, muss gerade an Krähenvögel denken, die sich selbst im Spiegel erkennen. Das spiegeln gleicht an sich, ja der Suche nach Kohärenz. Austausch und Fortschritt. Nur kann ich auf jemand der alles sein kann auch alles drauf projezieren und sozuagen sehen. Spätestens beim Fühlen wird es dann schwierig. Nun bin ich aber auch kein Fan davon alle Gefühle einfach auszureiten, ich beobachte sie gerne, frag sie wo kommst du her? Was bewegt Dich gerade? und im Grunde frage ich das indirekt, auch mein Umfeld. Meine Gefühle kann ich ergründen, Gewicht geben/nehmen und sie verstehen, die der andern bleiben die Ihre. So kann Echo beobachten so lange sie will … sie kann ihn weder greifen noch dazu bringen sie zu sehen. Sie liebt das Bild von ihm (den Spiegel, ist Spiegel für andere – die Erweiterung zu Narziss) aber sieht sich selbst nicht mehr. Narziss will sich sehen und so denke ich auch die Narzissten, wie weit sie sich darauf einlassen regelt ihre eigene Schmerzgrenze und wie sehr sie das Gesehene befriedigt. Das ist sozusagen eine Megakomplex Schattenarbeit … den sie scheuen wie der Teufel das Weihwasser, aber auch da gibt es welche die sich dem stellen. Nun bleibt noch der See … und der gibt mir auch noch zu denken. Wahrscheinlich verkörpert er den absoluten Psychopathen. Charles Manson war so ein See, glaube ich.
        😉
        Zusatz: Der See beinhaltet auch die Normopathen.

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  2. Liebe Manja,

    ich möchte mich von ganzem Herzen bei dir bedanken. Durch das Nichtspiegeln ist mir einiges klar geworden. Wahrscheinlich noch nicht alles, aber da hilft mir jetzt hoffentlich mein Hausarzt dabei, mir prof. Hilfe zu suchen. In meinem Umfeld kann ich mit niemandem in Ruhe darüber reden.

    Und eins weiß ich genau: ich schaffe das, weil ich stark bin und weiß, was mir gut tut.

    Danke und liebe Grüße,
    Julia

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  3. Liebe Manja,

    seit Tagen lese ich deine Artikel. Danke!!! Vielen Dank!

    An diesem Artikel verstehe uch eines nicht bzw. weiß nicht wie ich es machen soll:

    Wie spiegle ich ihn nicht mehr?

    Ich mache das ja bisher auch nicht absichtlich. Wie funktioniert es sein Gegenüber nicht zu spiegeln. Bzw. es nicht zu zulassen, dass er sich in mir spiegelt. Ist es eher so gemeint?

    Grundsätzlich weiß ich was spiegeln bedeutet. Aber der Artikel hat meine paar noch aktiven vernebelten Gehirnzellen total durcheinander gehauen.

    Also wer soll wen genau nicht mehr spiegeln oder/und spiegeln lassen? Und wie mache ich das, schaffe ich das, wie setze ich das um?

    Vielen lieben Dank!

    Birgit (noch mitten drin und am Ende aller Kräfte, Gesundheit…)

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    1. Genau das: nicht zu lassen das er sich spiegelt in Dir und es nicht aufsaugen was er macht. Sich nicht einnebeln lassen, sondern beobachten und nicht aktiv zurückspielen. Oft reagiert man nur noch (man spiegelt) und dabei führt Eins ins Andere. Sich selbst spiegeln bedeutet: darauf zu schauen, was man selbst möchte. Wer man war, ist und sein möchte und welche Schritte dafür nötig wären. Gib Dir Zeit. ❤ Ich hoffe es ist nun etwas verständlicher.

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  4. Narziss sucht nach jemandem, der ihm sagt, wer er ist.
    Sobald man nicht mehr spiegelt merkt man, dass man in ein leeres Gesicht schaut. Ein verlorenes Gesicht, welches sich noch nie gefunden zu haben scheint.
    In die tiefen eines Abgrundes. Der Grund der inneren Leere des Narziss.
    Wird der Narzisst nicht mehr gespiegelt, so muss er sich selbst fühlen. Davor hat er Angst und flüchtet wieder in Ersatzhandlung.
    Er sucht sich sozusagen jemanden, der zu fühlen in der Lage ist – ein Vielfühler sozusagen.
    Dieser Vielfühler sollte nicht spiegeln und einfach nur beobachten.
    Interessant.
    Irgendwann bekommt man dann heraus, ob Narziss sich weiterentwickeln kann oder nicht. Ob er wieder einem kompensatorischen Spiegel verfällt (jemand anderes/etwas anderes –> Sucht) oder ob er in der Lage ist, sich selbst und seine Gefühle wahrzunehmen.
    Doch das kostet Zeit. Es ist, wie wenn ein schweres Schiff auf dem Ozean merkt, dass die Richtung komplett falsch ist und es gegen den Wind einmal sich komplett drehen muss.
    Nicht spiegeln – das schenkt dem Vielfühler so unglaublich viel Kraft zurück. Man merkt das sofort. Sobald man einem Annäherungsversuch widersteht, gibt das Punkte auf das eigene Selbstwertkonto – das hätte Echo auch bemerkt, hätte sie kein Echo gegeben, hätte sie sich selbst ihr Echo gegeben. Dann wäre sie vielleicht auch irgendwann wieder in die Lage gekommen, ihre eigenen Worte zu verwenden. Zumindest in Gedanken 🙂
    Das Ganze Konstrukt ist recht komplex. Es zu durchschauen auch (leichter für diejenigen, die mal mittendrin waren im Tornado). Es aufzulösen eigentlich ganz einfach. Nur ist es eine Suchtspirale, in der die Beteiligten gefangen sind.

    Der Selbstwert ist das Geheimnis. Und die Liebe zu sich selbst.

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  5. Das war einer der schlimmsten Momente für mich und hat mich enorme Energie gekostet in dem Moment wo er vor mir saß und ich jegliche emotionale Regung sei es in der Mimik oder Gestik oder meiner Tonlage auf „neutral“ geschaltet habe! Ich wusste nur so kann ich die Trennung von ihm vollziehen und sein wahres Gesicht herausfordern, nämlich das eines völlig orientierungslosen panisch nach einer emotionalen Regung bei mir suchenden Menschen der es perfektioniert hat, die Emotionen bei anderen zu analysieren und passende Reaktionen darauf einzustudieren!
    Es war wie in einem schlechten Thriller da zu sitzen und ihn dabei zu beobachten wie er jegliche „Rollen“ abspielte (von mutmaßlich geknickt hinzu verärgert) seine sonst
    stoische fast provozierende ruhige Art gepaart mit einer Aura der Überlegenheit brach völlig
    in sich zusammen! Letztendlich schrie er mich an ich solle aufhören so emotionslos zu sein! Nachdem ich ihm jedoch ein weiteres Mal erklärt habe dass wir uns trennen sollten und keine Emotionalität mitschwingen ließ erkaltete plötzlich sein Blick und sein Körper wurde wieder ganz ruhig und ich sah das erste Mal in seinen Augen die Kälte und den auch in dem Moment blanken Hass als er realisiert hat dass ich ihn „enttarnt“ habe!

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    1. Danke für diesen Beitrag, ja es ist traumatisierend und braucht Zeit, als Erlebnis verarbeitet zu werden, doch es ist auch wie Du schreibst die Erkenntnis, die einem hilft Abstand davon zu nehmen. Der Moment wo man die Kontrolle über sich zurückbekommt. Der wichtigste Schritt. Es braucht viel Mut und Stärke doch diese kann einem gut geschützt (geachtet) niemand mehr nehmen. Gute Heilung auf allen Wegen wünsche ich Dir.

      Gefällt 1 Person

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