Scham, Wut, Schuld. Und dann?

Über eine der Folgen narzisstischen Missbrauchs.
Wenn ich zurückblicke, gab es seit meiner Kindheit ein Gefühl, welches Gift trinken gleichkam. Das „Schäm Dich!“/ “Du bist schuld!“ Gefühl. Es sagte so viel, wie: Mit mir stimmt was nicht, ich bin nicht okay.
Um es nicht zu trinken, müsste man ja sehr wütend werden oder schamlos, so dachte ich.
Und doch kennen wir alle diese Konfrontation, nur gehen wir nicht alle gleich mit Scham und Schuldgefühlen um.

Die gute Nachricht: Es lässt sich damit leben, auch ohne zu explodieren, schamlos zu werden oder sich zu vergiften.
Da ist sie wieder, die bewusste Frage nach dem Warum und wofür?
Warum und für was schäme ich mich? Warum und wofür fühle ich mich schuldig?
Scham geht an die Existenz und doch gibt es weltweit Schamgefühl, es ist ein Urinstinkt der Menschen, den wir vielleicht besser kennenlernen sollten, als ihn unterdrücken zu wollen.
Scham ist Selbstschutz, aber auch Bewahrung.

Mit Scham umzugehen, erlernen wir im Kindesalter.
Nach narzisstischer Erziehung neigen Kinder auch im Erwachsenenalter dazu, regelrecht panisch auf Schuldzuweisungen zu reagieren, besonders Narzissten werden irrational, denn es zeigt Opfern und Tätern unterbewusst, die nicht vorhandenen Grenzen und traumatisiert.

Nach und während einer narzisstischen Beziehung neigen Opfer zu Scham und Schuldgefühlen. Es ist eine Art Überlebensreflex, teilweise Projektion und einem Trauma zuzuordnen.
Vorsicht auch der Narzisst fühlt sich als Opfer und je nach Schauspielkunst und Ausprägung der PS, sind ihnen das Scham- und Schuldgefühl Prinzip, welches sich oft in Wut zeigt, bekannt.

Ein paar weiterführende Gedanken, warum es nicht um Schuld gehen sollte (außer es stehen berechtigte, rechtliche Verfahren auf dem Plan), findet Ihr hier.

Scham zeigt uns, wie ein Sturm, wo der Garten seine Bruchstellen hat. Scham und Schuldzuweisungen sind ein Manipulationsmittel und bei Nichtbeachtung eine tickende Zeitbombe. Beschämte neigen zu Wut. Sich Schämende zur Stagnation.
Der Vorwurf an sich und selbst sowie die Schuld der Anderen, können lähmen und vergiften.

Das typische Gedankenkreiseln der Medaille

Ich hätte doch gehen können,
hätte es mehr ertragen können,
hätte es mehr recht machen können, …
Hätte, hätte, … Fahrradkette, das ewige Warum und grübeln sind pures Gift,
denn nachweislich macht unbearbeitete Scham auf Dauer körperlich krank und boykottiert den Selbstwert.

Genauso ist ein „Warum trennst Du Dich nicht?“ beschämend und oft kontra induktiv für eine Trennung von narzisstischen Partnern. Die Aggression überträgt sich in die Beziehung und zu sich selbst.
Dieser Umstand kann uns extrem handlungsunfähig werden lassen oder handlungsfähig, er ist eine Einladung genau hinzuschauen, sich zu fragen: Woher kommt das Gefühl?

Die Psychologie und besonders die Thesen der Gewaltfreien Kommunikation (GfK), arbeiten mit der Scham-Schuld-Wut Spirale. So sei Scham und Schuld oft Ursache für Wut und alle drei Teile, einer Medaille. Es geht auch umgedreht, so wird unterdrückte Wut und gerade das „Nicht handeln“ zu Scham- und Schuldgefühlen.

Denn das Gift wirkt am Besten, bei dem der es einnimmt.
Und das ist eben der Knackpunkt, das Gegengift ist oft verschleiert und selten offen diskutiert.
Wer würde schon sagen „Schau mal auf deine Selbstliebe!“ wenn der Gegenüber mit Wut, Scham oder Schuld zu tun bekommt? Dabei weisen da schon alte Lehrmeister wie Rumi den Weg.

„Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit – begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu dir ein.
Sei dankbar für jeden, der kommt.
Denn alle sind zu Deiner Führung geschickt worden,
aus einer anderen Welt.“
Rumi

Bevor ich auf ein paar Punkte komme mit der Scham/Schuld/Wut umzugehen, möchte ich auf die Autorin Liv Larsson hinweisen, die ebenfalls dazu rät:
„Dem Signal – sich wieder mit dem Leben zu verbinden“, dankbar entgegenzutreten.

Weiter schreibt Larsson, wäre es sinnvoll, sich zu fragen, um was es genau geht.
Geht es um Würde und Selbstrespekt, um Akzeptanz oder Zugehörigkeit?
Mehr dazu in ihrem Buch „Wut, Schuld und Scham“.

Und dann?

Dann könnten folgende Dinge helfen:

1. Inneren Kritiker abstellen. (Siehe auch Punkt 5.)

2. Entschuldige Dich bei Dir selbst (eventuell auch bei anderen) Dich unwissend verhalten zu haben.

3. Aus Fehlern lernen!
Wie willst Du zukünftig in solchen Situationen reagieren?
Erstelle einen Plan für die Zukunft.
Mögliche Beispiele:
Zukünftig löse ich mich schneller aus einer toxischen Bindung.
Ich nehme die Kritik erst mal nur sachlich nicht persönlich wahr und höre zu.
Wenn ich das nächste Mal Scham/Wut/Schuld empfinde, freue ich mich darauf herauszufinden, was es mir sagen will.

4. Lass die Selbstbestrafung gehen …

5. Das Gegenteil und somit Antidote von Schuld und Scham ist praktische Selbstliebe, das Erkennen und Annehmen der eigenen Bedürfnisse und Achtsamkeit.

6. Weitere Vertiefung in das Thema Scham (Schuld, Wut)
Ein langer Vortrag von Wolfram Kölling: Scham – Schamlosigkeit und ihre Folgen.
Ein mittlellanger Vortrag von Stephan Marks über seine Erkenntnisse über Scham
Ein weiterer Vortrag von Hanna Barbara Gerl-Falkovitz
Worüber schämt sich die Scham? Interkulturelle und interreligiöse Einblicke

7. Wichtig gerade nach narzisstischem Missbrauch in psychologischen Gesprächen (im geschützten Rahmen) diese Gefühle anzusprechen, zu überprüfen (RealitätsChecks) und somit auch viel Mut.

Zum Thema ‚Wie umgehen mit der Wut?‘ habe ich hier im Video letzter Teil geantwortet.

Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen damit animieren, sich dem Thema Scham und Schuld zu öffnen.

Auch beruflich begleite ich Menschen auf diesem Weg.
Auf meiner persönlichen Seite: http://manjakendler.de/spiritcoach.html
findest Du eine Übersicht an psychologischen Beratungsmöglichkeiten
und meine Schutzgarten Kurse.

Die Schutzgärtnerin
Spirit/Coach
Manja Kendler
Januar 2018

Advertisements

Kommentar hinzupflanzen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s