Der Narzissmus des Altruismus

Altruismus stand ursprünglich für das Gegenteil von Egoismus, warum dem aus meiner Sicht nicht ganz so ist und es so etwas, wie narzisstischen Altruismus im pathologischen Sinne nicht gibt, wir aber wohl von narzisstischen Manipulationen sprechen sollten oder narzisstisch geprägten Altruismus und davon was Altruismus bedeutet, ist mein Anliegen in diesem Beitrag.

Grundsätzlich ist der Begriff narzisstischer Altruismus ein Label, was ich für gefährlich halte, weil narzisstisch geprägter Altruismus und „narzisstische Manipulation- weil es funktioniert“, zwei verschiedene Dinge sind.

Wo ist da die Grenze? Bevor ich dazu komme ein paar Gedanken zur Definition von Altruismus.

Altruismus eine Geschichte voller Missverständnisse

Auguste Comte (1798-1857) erfand neben dem Positivismus auch den Altruismus als Antonym für den Egoismus. Das brachte ihm bereits zu Lebzeiten mehr als Gegenwind der Philosophen, Forscher, Psychologen und seither scheint die Definierungswut des Altruismus ausgebrochen.

Pseudoaltruismus, reziproker Altruismus, rationaler Altruismus, … zurzeit widmet sich ein großer Teil der Think Tanks und Ideenfabriken dem effektiven Altruismus. Der von Peter Singer geprägte Zweig versucht die Wirtschaftlichkeit von Ressourcen, Aufwand und Nutzen empirisch zu prüfen und danach Hilfsprojekte, wie Skeptiker sagen könnten: „kapitalistisch sinnvoll einzusetzen“.

Warum haben jedoch die Menschen direkt protestiert, gegen die Begrifflichkeit des Altruismus: Sich für die Belange und Bedürfnisse anderer einzusetzen, wäre selbstlos, aufopfernd und gemeinnützig?

Weil es Menschen waren, die ihre eigene Motivationen und die, der anderen sehr wohl am eigenen Leib spürten oder erfahren haben. Weil Könige oft wohltätig wurden aus einem Zweck heraus, weil sie gesehen haben, wie andere sich aufopferten und sich selbst vergaßen, weil sie selbst Hilfe brauchten und lernen mussten, dass sie oft aus einer anderen Richtung kam, als man ihnen weisen wollte und weil es in erster Linie ein Überlebensdrang ist, sich selbst zu helfen, doch nicht immer damit verbunden ist, auf lange Sicht anderen zu helfen.

Bevor ich auf Fluchtaltruismus, narzisstisch geprägten Narzissmus und verdeckten Narzissmus eingehe, gestattet mir einen Ausflug in meine Erfahrungen mit Altruismus.

DDR, Internat, Aufklärung und Charity

Ich wurde in meiner Kindheit mit Gesetzen konfrontiert, die das Wohl des anderen in den Fokus stellten und zum Wohl der Gemeinschaft. Ob es die Jungpioniergesetze waren, …

„zu helfen und freundlich zu sein sowie interessiert an meiner Umwelt und anderen Völkern“

…oder die internationalen Menschenrechte. Ich denke, es gibt bereits durchaus gute ethisch, moralisch vertretbare Grundsätze, die ein Zusammenleben auf diesen Planeten sinnvoll gestalten, nur scheitert es oft am Bewusstsein der Massen und Umsetzung.

Ich lernte durch meine Internatszeit, wie wichtig es ist anderen Raum zu geben und Raum zu finden. Zugegeben ist es eine Herausforderung gewesen alle Bedürfnisse zu berücksichtigen, die Kunst lag darin gemeinsame zu finden und diese zu stillen. An der Stelle falls hier gerade jemand mitliest dessen Süßigkeitentüte, Zeit und Aufmerksamkeit genießen durfte, ich danke Euch dafür.

Für mich war es von klein auf ein Bedürfnis Gerechtigkeit zu erleben.
Für Gerechtigkeit aufzustehen, zusammenzustehen und mich nicht von anderen Menschen abgetrennt zu sehen. Der Krieg in Land X ist auch mein Krieg als Spezies auf diesem Planeten. Unrecht weltweit speist meinen Äther, und auch wenn ich einiges dazu gelernt habe, die Empathie bringt den Schmerz. Wie Du mit Weltschmerz lernst besser umzugehen, habe ich hier beschrieben.

Ich lernte diesen Schmerz mit Kunst zu transformieren, als Erschaffer (Texter, Musikerin), Darsteller (Ausdruckstanz und Ballett) und Konsument.

Ich dachte, ich müsste, die Menschen um mich herum nur erinnern an das, was uns fördert und fördert.
Menschenrechte zum Beispiel. Heute weiß ich, auch wenn mit Benefizaktionen Gelder regeneriert werden, Musik Menschen berührt und Kunst inspiriert, die, die ich versuchte zu erreichen blieben unerreichbar.

Emotionsgesteuert, oder berechnend?

Appelle an Gewissen und Moral sind wie Treibsand im eigenen Garten – sie geben kein Halt.

Altruistisch zu sein, bedeutet für mich eine Lebenseinstellung, eine Chance zu überleben und hat durchaus auch natürliche egoistische Hintergründe.
In erster Linie halte ich den Gedanken sich so zu verhalten, wie man selbst behandelt werden möchte als natürlichen gesunden Narzissmus. Ich will etwas an dieser Gesellschaft gestalten, inspirieren, beflügeln. Will halten, was ein anderer gerade nicht tragen kann, wenn es mir die Gewissheit gibt, ich habe für meinen Traum vom Miteinander alles getan. Das ist weder selbstlos noch funktioniert das selbstlos. Alles ist verbunden.

Es heißt ja Freidenker, Geschichtenerzähler, Kreative braucht es, doch in Wahrheit ist es auch die Welt der Imitationen, Kopien und Maskenträger und je schillernder und massentauglicher sich jemand des Altruismus bedient, desto mehr Likes und Zuspruch und manches Mal auch weniger Eigenkontent wird zu finden sein.

Selbiges Maskenspiel auch auf der Seite der Bedürftigen und Opfer, die keine sind.

Ich bin nicht mehr aufopfernd, da ich die Gefahr erkannte die Bedeutung des Individuums zu überschätzen, weil ich so Autonomie aufgab, Unabhängigkeit riskierte und mein Nutzen keine Entwicklung unter Wettbewerbsdruck gelang …

Heute verstehe ich das und wenn Ihr den Weg geht, Euch zu engagieren, Zeit, Geld und Ähnliches zu spenden an Menschen, die Organisationen in diesem Bereich führen,  prüft jene und die eigenen Motive. Manch einer mag vielleicht einen wohlklingenden Verein haben und weltweites Ansehen, doch der Weg dahin ist mit Leichen gepflastert, unter dem Decknamen des altruistischen Handelns.

Und geht es bei Reichweite und effektivem Altruismus nicht auch für den einen um Aufklärung und Hilfe, für den anderen um Werbeeinnahmen, Macht, Einfluss oder Selbstreputation? Verdecken von sadistischen, narzisstischen Neigungen. Greenwashing von Namen. Nur mit dem Begriff: Altruismus lässt sich nicht beschreiben, was sich alles dahinter verbergen kann.

Altruismus braucht: Sensibilität, Empathie (Schmerzempfinden) Eigenempathie, Mitgefühl, Achtsamkeit, Freiwilligkeit, Kooperationsbereitschaft, Weitsicht, Intelligenz, Würde, Bewusstsein, Nutzen.

Letzteres geht automatisch aus einer Win-Win Situation hervor, jedoch ohne die Absicht sich einen Vorteil zu schaffen oder einer Erwartung auf Gegenleistung.

Und doch werden wie belohnt, wenn wir Gutes tun.
Aber warum ist das so?

Bei den meisten Menschen wird die Empathie und Mitgefühl zwei völlig verschiedenen Hirnarealen verarbeitet, hier finden wir auch einen Grund, warum Empathie allein nicht zu Altruismus führt. Empathie lässt uns die Ungerechtigkeit fühlen und die Gefühle des anderen nachspüren, was uns aktiv werden lässt, ist das Mitgefühl. Wenn wir diesem nachgehen, werden in unserem Gehirn Dopamin und weitere Hormone ausgeschüttet zur Belohnung. Es ist ein natürliches Bedürfnis Gutes zu tun und somit fällt diese Uneigennützigkeitsthese von Auguste Comte auch bei mir ins Wasser.
Übrigens auch bei Ayn Rand mit ihrem Ansatz das es nicht glücklich macht jedem zu helfen.

Wie altruistisch kommen Menschen auf die Welt?

Ist von einer normalen Entwicklung auszugehen, zeigen bereits Kinder ab 18 Monaten höchste Glücksgefühle, wenn sie freiwillig, die ihnen zur Verfügung gestellte Ressourcen, teilen. Gewöhnlich kommen dann noch Erziehungsmuster, Vorbilder und Erfahrungen dazu, die unsere Vorstellung von Altruismus definieren.

Und somit verschiebt sich eventuell auch der Nutzen in unserer Erwartung oder eine Erwartungshaltung.

Die Erwartungshaltung und Gefahren

Ob das nun das Bedürfnis nach Macht oder um die eigenen Bedürfnisse zu übertünchen oder, nach einer Verschleierung oder reiner Altruismus ist, ist von außen nicht eindeutig zu erkennen.

Narzissmus und Altruismus sind wie zwei sich abstoßende Magnetpole, und doch treffen sie aufeinander. Gehen wir von einem kindlichen Trauma aus, so wird der Altruismus entweder als nicht existent wahrgenommen, als Verdrängungsstrategie oder als Manipulationswerkzeug genutzt. Letzteres ist häufig in Form des verdeckten Narzissmus anzutreffen. Der Wolf/Die Wölfin im Schafspelz. Die netten Freundlichen, die im Privaten, hinter verschlossenen Türen auf Langzeit gesehen, nichts von all dem zeigen.

Wie es aus meiner Sicht dazu kommt, habe ich in den Beitrag „Was haben meine Eltern damit zu tun?“ beschrieben.

Der Fluchtaltruismus verdeckt, dass man selbst Hilfe benötigt. Würde aber in den Bereich, des defizitären Narzissmus fallen, statt des extremen Narzissmus wie beim verdeckten Narzissmus.

Altruismus ist die Lehre darüber, dass man die Belange und Bedürfnisse der anderen für wichtig erachtet, das kann jede Ameisenarmee besser als die Menschheit.

So wird es aus der Opferrolle betrachtet, das höhere Ziel: anderen zu dienen, ohne sich selbst zu sehen.
Helfen, mit maroden oder gar nicht vorhandenen Grenzen, wird zum Stressfaktor. Aus Mitgefühl wird Mitleid und im schlimmsten Falle Burn-out.

Statt selbst Hilfe zu suchen, an sich zu arbeiten und sich vorerst zu schützen, begeben sich Menschen in die Hilfe für andere Betroffene, Tiere oder Natur, deren Verantwortung sie nicht gewachsen sind und verhindern ihren eigenen Heilungsweg in dem sie täglich andere bestärken und Hilfe anbieten, die sie selbst bräuchten, ohne den Kernpunkt ihres Traumas zu erkennen oder besser gesagt daran zu arbeiten.

Coabhängigkeit und Selbstliebedefizit ist oft ein Überbleibsel aus der Kindheit und bringt eine gewisse Toleranz gegenüber Opfer Täter Dynamiken mit sich. Da ist man ja teilweise nicht besser als ein Narzisst. Daran kann man arbeiten, wenn man will.
Verhaltenstherapie, Achtsamkeitsübungen, Meditation, Natur, GfK.

Wie auch Alice Miller im Drama des begabten Kindes feststellte, es geht dem helfen wollen oft ein Trauma voraus.

Die Grenze ist da, wo das Trauma bearbeitet wurde und wo nicht, sowie ob es Leid verursacht und eine Absicht mit Erwartung geknüpft ist. Also, wie reflektiert und behandelt ist mein Wunsch zu helfen, wie ist meine Definition von Altruismus?

Oder Altruismus wird verleugnet und da kommen ich zum verdeckten und grandiosen Narzissmus, der es weniger als Tugend, mehr als Tool wahrnimmt. Narzisstische Manipulation genannt, dient zur Kontrolle, Macht und Standing.

Wirtschaftlicher, und politischer Altruismus bieten viele Beispiele.
Hier klappert das Belohnungssystem auch, nur hat es andere Hintergründe und handfeste Interessen.
Hier findet sich auch der Missbrauch des narzisstischen Missbrauchs.
Die Wertung einer Gesellschaft und Demokratie.
Mit dem Mangel an Empathie und Mitgefühl wird Altruismus in Reinform nicht möglich sein nur eine Verschleierung der Tatsachen.

Ich möchte dazu anregen selbst über Handlung, Erwartung und Nutzen von Altruismus nachzudenken.
Biologisch erschließt er sich mir, als logisches Talent zu Überleben in und mit Gesellschaft, vielleicht war es das, was Comte versuchte den Hedonisten, Egoisten, Narzissten und Despoten seiner Zeit zu erklären, nur hat er da – wie ich- übersehen, bei jenen kommen Appelle an die Moral und Ethik selten an.

Und da wo man versucht mit Opferhaltung und Emotionen zu locken, entsteht viel Raum für Manipulation und Missbrauch. Altruismus ist selbstlos in der Ausführung, er ist ein Lebensgefühl. Oder wie seht Ihr das?

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
Mai 2018

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