Körperorientiert Trauma auflösen – Methoden und Praxiserfahrungsberichte #1

Im letzten Gartengespräch mit Franz Ruppert, kam die Selbsthilfe bei Trauma zur Sprache und da Traumatherapie noch zu selten eine Selbstverständlichkeit ist, und gerade körperorientierte Traumaarbeit derzeit noch unter Privatleistung fällt, liegt es nahe, das sich Betroffene selbst vertiefend umschauen und ausprobieren. In diesem Beitrag geht es mir, um die Praxis.

Auch ich denke, eine Belastungsstörung, ob durch Psychotrauma oder Entwicklungstrauma sind ohne begleitende Therapie, bestenfalls nur in „Schach“ zu halten. Vorausgesetzt man führt ein ereignisarmes Leben. Vielleicht allein. Im Wald.
Anzumerken wäre auch, dass Therapie und das ‚Benennen des Traumas‘ allein, kaum die eigene Schattenarbeit ersetzen kann.

Da wir uns jedoch eher in Gesellschaft und nur gefühlt allein im Wald befinden, und bis zu 20.000 Entscheidungen am Tag treffen, kann das gruselig werden und sich taub anfühlen, wenn wir unsere Schattenanteile mit Verstand übertünchen. So übertritt man seine eigenen Grenzen, wenn trotz traumatischer Erlebnisse Gedanken kommen, wie:

„Mir geht’s doch jetzt gut, warum sollte ich zum Psychologen?“

„Andere haben richtige Probleme im Gegensatz zu mir!“

„Es muss ja weitergehen.“


„Ich muss nur heilen/mich zusammenreißen/bis zum nächsten Urlaub durchhalten!“

Atme! Und wisse, das „Funktionieren müssen“, ist aus meiner Sicht ein gesellschaftlicher, menschlicher Gedanken-Hoax, der die meisten Menschen in zwingend logischen Abwärtsspiralen hält.
Du bist okay, auch wenn Du nicht okay bist.
Die Frage ist:
Was hat, Dich da hingeführt, wo Du gerade bist und wie kannst Du die: Impulskontrolle, Antrieb, Liebe und Würde sowie die Freude und den Zugang zu Deiner Gefühlspalette, wieder erlangen? Ohne weitere Irrfahrt?
Achtsamkeit. Bewusstsein. Und ein Teil davon, ist unser Körperbewusstsein.

Ich habe Euch hier Beispiele aus meiner privaten Erfahrung zur körperorientierten Traumaheilung gesammelt und möchte Euch darauf hinweisen, jede Methode wirkt bei jedem individuell und verlangt Reflektoren. Heißt: Menschen die Euch die Methode lehren und mit Euch überprüfen und über die Erfahrung reflektieren. Die meisten Ansätze lassen sich leicht selber testen, die Ergebnisse sind jedoch in einem Buch oder Video selten zu besprechen.

Direkt nach dem Trauma (Erkennen/Schock/Überlebensmodus) ist von Traumaarbeit abzuraten, da jeder von uns über eine Resilienz verfügt und diese Phase der Trauer und Verarbeitung natürlich Zeit braucht. Bei dem einem kürzer, bei dem Anderen länger. Vorerst gilt es für unser neuronales Netzwerk – körperliche Stabilität hereinzubringen.

So kann man zum Beispiel nach der Trennung, vielleicht ein Muster bereits erkennen, jedoch in 2 bis 3 Monaten Trauerverarbeitung, Traumaaufarbeitung und eine Mustergeneralüberholung bei sich selbst zu erwarten, ist nach toxischen Beziehungen eher ausgeschlossen und wirkt sich oft negativ auf den Heilungsprozess aus.
Was Ihr nach narzisstischen Missbrauch aktiv für Euch tun könnt, habe ich hier beschrieben.

Traumakliniken arbeiten zweierlei entweder zur Stabilisierung, wo Ereignisse und Trauma zweitrangig gehandelt werden oder eben direkt an dem Trauma. Am besten Ihr besprecht die Möglichkeiten vorher mit einem Psychologen, Traumaberater oder Psychiater.

1. Schmerzkörperbewusstsein Theorie und Praxis

Bereits Peter Levine hat mir die Sprache ohne Worte näher gebracht doch vertiefend und mit vielen Aha-Momenten, möchte ich Euch nun den Erfahrungsschatz, von Franz Ruppert und Harald Banzhaf zusammengetragen in dem Buch:
Mein Körper, mein Trauma, mein Ich
– Anliegen aufstellen – aus der Traumabiografie aussteigen –
anraten.

erschienen am 02.10.2017
Kösel Verlag
zur Buchseite bei Randomhouse

Was nehmen wir uns, zu sehr zu Herzen, was geht uns an die Nieren, lässt uns aus der Haut fahren? Wieso fühlen wir so wenig auf den Zahn statt ihn abzutöten und Kronen darauf zu setzten? Wann fangen wir an, integral zu betrachten, statt nur schulmedizinisch? Leider oft erst dann, wenn die Schulmedizin versagt und uns das Schulterzucken der Fachleute, den Funken Willenskraft schenkt, den es braucht, sich auf die feinstoffliche Ebene einzulassen. Die Bereitschaft sein Körper verstehen zu wollen, sowie das eigene Anliegen aufzustellen, ist keine Wunderheilungerwartung – es ist theoretisch sehr altes wirksames Wissen um neurologische Zusammenhänge.

Der erste Teil des Buches enthält eine sachliche Einleitung zur Psyche und Verarbeitung in Zusammenwirkung des Körpers und warum eine identitätsorientierte Psychotraumatherapie Sinn ergibt. Während Ruppert und Banzhaf das theoretische Hintergrundwissen beisteuern,
beschäftigt sich der Großteil des Buches mit praktischen Beispielen der Anliegen hinter verschiedenen Erkrankungen, in Form von 23 Gastautorenbeiträgen aus dem Praxisalltag.
Lungen-, Kreuz- und Augenleiden werden beschrieben, als Traumafolge und mit dem Bewusstsein darüber kann sich viel bewegen.

Aus eigener Erfahrung mit einem Bandscheibenvorfall, der versteift werden sollte – aber nicht ist – kann ich berichten: Wäre ich nicht über die Idee, des psychosomatischen Hintergrundes vor 10 Jahren gestolpert … wer weiß, ob ich heute noch so beweglich wäre.
Lest dieses Buch und ihr seht, ich bin da nicht allein mit der Erfahrung.

2. TRE® – sich mal Auszittern mit Lachgarantie

Meine Lieblingsmethode. Wenn Rehe aus der Gefahrensituation entkommen sind, zittern sie erst mal aus. Sie schütteln das Trauma ab. Das versucht Mensch gern gedanklich, David Berceli kam auf die Idee das körperlich zu adaptieren und ein neurogenes Zittern auszulösen.
Ursprünglich für Soldaten mit PTBS entwickelt, lehrt diese zertifizierte Methode durch gezielte Muskelübungen, den Psoasmuskel anzutriggern. Dadurch entsteht das Zittern, welches gewollt ist. Der Psoasmuskel ist einer der wenigen Muskel der außen, wie innen im Körper verläuft vom unteren Rücken durch den Po in die Oberschenkel und lässt uns den Schritt nach vorn ausführen. Im spirituellen als Sitz, der der Seele betrachtet – trägt er hohe Bedeutung. Vielleicht kommt daher auch die Bezeichnung, „Das geht mir am Allerwertesten vorbei“, wenn uns etwas weniger bewegt.

TRE®geht davon aus das genau im Psoas, Traumata gespeichert werden, und alte blockierte Gefühle festsitzen und durch das in Bewegung/Schwingen/Zittern des Muskels können jene aufgelöst werden. Ich muss zugeben, ich dachte erst an eine Masche, doch ich habe nie zuvor ein derartiges Entspannungsgefühl erlebt sowie innerliche Wärme und Neubelebung, wie nach einer TRE Einheit.

Wie läuft es ab?
Praktisch für die ersten Male mit TRE®
zertifizierte Lehrer. (Eine Liste findet Ihr hier).
Einmal erlernt, ist die Methode auch leicht anwendbar im Alltag.
Eine Einheit dauert ca 45 Minuten besehend aus 7 Übungen und anschließendem Auszittern.
Professionelle Anleitung halte ich für wichtig, da einige Sachen dabei passieren, die irritierend wirken können. (andere Zuckungen, Gefühle die hochkommen, unbestimmtes Zeitempfinden, Lachanfall)

3. Mit Magneten und dem EmotionCode heilen oder wie ich es nenne: triggern.

Ihr kennt das, wenn man auf der Suche ist, probiert man auch aus und stellt fest, oh je das wirkt aber nicht oder ein bisschen zu heftig für mich. Eine möglicherweise für viele wirksame doch aus meiner Sicht gefährliche Variante der Selbstheilung festsitzender Gefühle, ist die im Buch Der EmotionCode vorgestellte Variante und das funktioniert mit Magneten.
Einfach erklärt, befragt man sich dabei, anhand kinesiologischen Muskeltest, nach den festsitzenden Emotionen, ordnet sie in Kategorien wie Körperregion, Gefühl, Zeitrahmen ein und fragt sich dann, selbst ob man bereit ist, die feststeckende Emotion in der Gallenblase und Leber zu lösen, mit 6 Jahren Panik gehabt zu haben. Wenn nein, ist hier der Versuch beendet, bei ja kommt der Magnet jetzt zum Einsatz. Dann fährt man mehrmals über seine Energiebahn, bis einem der Muskeltest sagt, dass nun alles aufgelöst ist, was aufgelöst werden darf.

Soweit so gut, ich bin wie gesagt da nicht leichtgläubig mehr so experimentierfreudig aber nach der vierten Session und sechsten Blockade habe ich beschlossen, es zu lassen. Massive Schmerzen haben mir gehörigen Respekt vor dieser Methode verschafft. Vielleicht lag es an der Fokussierung auf die Organe, vielleicht habe ich tatsächlich noch so viele ungelöste, unbekannte Sachen. Habe lange überlegt, ob ich davon berichte, doch ich will Euch verdeutlichen, dass nicht jede Methode für jeden geeignet ist. Hochsensitiven würde ich von Bradley Nelson EmotionCode abraten.
Erst Recht im Alleingang.

Generell gilt, Traumaarbeit ist kein Zuckerschlecken, jedoch sollte es auch nicht überfordern, denn der Selbstschutz der Seele, Dinge zu verdrängen, ist nicht undurchdacht. Der nachgewiesene False Memory Effekt zeigt, warum es besser ist mit erfahrenen Traumatherapeuten (denen Wohlbefinden, Anliegen und Achtsamkeit am und im Herzen liegen), zu arbeiten.

4. Heilschreiben – mehr als eine Traumaverarbeitungsmethode

Der Autor wirbt damit ein Konzept der selbstständigen Traumatherapie anzubieten. Natürlich auch mit dem Hinweis versehen, das es ganz ohne Therapeut nicht geht. Anstrengend aber wirksam lädt Stephan Konrad Niederwieser ein, sich mit dem Stift in der Hand seinem Trauma zu nähern und dabei einen Blick auf den Körper zu werfen. Bereits bei einer der ersten Übungen fiel mir so viel an mir selber auf, das mich im Bus eine Panik befiel. Mein Fehler der Neugierde, das Buch direkt nach Erhalt entdecken zu wollen.

Merke: Arbeite damit nur an einem sicheren Ort! Folge unbedingt den Anweisungen des Autors!

Mit dem integralen Ansatz öffnet dieses Buch Türen, die man auch bereit sein sollte, zu öffnen, und das setzt Mut zum Gefühl und zur Innensicht voraus sowie mindestens einen vertrauenswürdigen Menschen, mit dem Ihr in Austausch darüber gehen könnt.

Für mich als Mehr-Schreibende eine völlig neue Erfahrung und das intimste was ich bisher an Methoden kennenlernte, gepaart mit einer völlig neuen Sichtweise auf die Haltung und Subtexturen beim Schreiben selbst. Für gefühlsbetonte Menschen, die sich bereit fühlen, für den Blick hinter die eigenen Spiegel.
Ein gut durchdachtes Konzept und Meisterwerk, für andere womöglich eine Gefahr. Schaut selbst, ob Euch diese Methode anspricht. Ich habe in Ihr einen Wegbegleiter gefunden, der mir (wie beschrieben) dabei hilft, mich besser zu verstehen und doch weit darüber hinaus zurück ins Leben zu finden – mehr so – mich im Leben zurechtzufinden.

Erschienen am 18. April 2018
Kösel Verlag
zur Webseite und ausführlichen Infos zum Buch des Autors
zur Verlagsseite des Buches, bei Randomhouse

5. Leben mit Trauma und Dami Charf

Zum kostenfreien Youtube-Kanal, folgt nun die Lektüre. Mit Übungen und gesammelten Erfahrungsschatz aus ihrem Wirken, auf dem Gebiet körperorientierter Traumatherapie, der letzten Jahre. Die Essenz ihrer Methode: Somatische Emotionale Integration® ist auf dem Vormarsch der Bestsellerliste. Im Gartengespräch mit Dami Charf, kündigte Sie bereits Ihr Buch an.
Jetzt ist „Auch alte Wunden können heilen“ im Kösel Verlag erschienen
Ich bin noch nicht dazu gekommen es zu lesen, da waren andere Schutzgärtner schneller.
So schrieb mir Christiane Strysch dazu:

Das Buch von Dami Charf hat mich sehr angeregt, eine andere Sicht auf mein jetzt, was war und wie es war, zu bekommen. Ich habe mich kennen und verstehen gelernt. Was dazu führen soll, sich anzunehmen (lieben), so wie man ist. Sich in seinem Körper wohlzufühlen.
Ein schönes Buch, es sollte jeder lesen.

Ein Zitat aus dem Buch:
“Achtsame, bewusste Aufmerksamkeit ist eine der Hauptschlüssel, um Verhalten zu verändern. Ein wesentlicher Teil davon, ist die Fähigkeit, den Körper zu spüren“ Dami Charf

Mehr zum Buch erfahrt Ihr auf der Verlagsseite.

Ich danke Christiane Strysch für das Teilen ihrer Erfahrung zum Buch.

Vielleicht ist der ein oder andere wertvolle Hinweis für Euch dabei. Für mich ist hier das Thema noch nicht beendet, weitere Methoden und Erfahrungsberichte folgen.

Ich freu mich auf Kommentare mit Euren Erfahrungen und Tipps: Was Euch geholfen oder eher nicht geholfen hat. Das kann anderen Betroffenen helfen.

Lest dazu demnächst im Schutzgarten: Franz Ruppert, mit seinem Buch über die traumatisierte Gesellschaft im Schutzgartenbuchklub / Yoga und Meditation, eine Expertin im Gartengespräch / Die Beziehung(en) nach dem Trauma / und so viel mehr …

Eure Schutzgärtnerin
Manja Kendler
August 2018

Nach DSGVO wird dieser Beitrag unterstützt durch Produktplatzierung, jedoch nicht durch Werbung finanziert.

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