Was ist echte Stärke? – über Kindererziehung, Klischee, Zuhören und Verletzlichkeit

Stärke?! Etwas, was leicht zu überschätzen ist und manchmal unterschätzt.
Um so mehr erfreut es mich, die erste Blogparade von Sunnybee auf ihrem Blog: mutter-und-sohn.blog entdeckt zu haben, auf dem nicht nur Alleinerziehende Anregung und Tipps finden.
Unter anderem beinhaltet Ihr Aufruf allein, Input der mehr als ein Lesetipp ist, doch Sie stellt die Frage an die Bloggerwelt und die gebe ich neben meinen Gedanken, gern an meine Leser weiter.

„Was ist echte Stärke für Dich?“

Die Frage und mir fallen da unendlich Themen ein …

Starke Themen, wie Kindererziehung

Als ich den Aufruf las, dachte ich automatisch: als Hochsensitive überhaupt Mutter zu werden oder Vater. All die neuen Ängste und Eindrücke und die Verantwortung, in aller gelebter Intensität. Das fängt bei der Schwangerschaft und Lebenswandel an, Windeln wechseln, unzählige bedeutsame ersten Male und hört sicherlich nicht bei den Sorgen auf. Besonders die Vorstellung, von der perfekten Mutter oder Vater, die man in gewisser Weise, nur sehr selten selbst erlebte, der Konflikt zwischen der Rebellion:„Ich mach es anders!“, der natürlichen Angst „Jetzt bloß nichts falsch machen …„ sowie erlernter Muster. Und dann bleibt auch noch das Erleben, als Frau und Mann zwischen Rollen und Klischee. So das ich denke, wer es schafft zu ernähren, Wärme und Liebe und Freundlichkeit zu spenden, sich erlaubt zu fühlen, weiterzulernen, sich Gutes zutun und anderen ohne übergriffig zu werden (mit oder ohne Kinder), ist für die Kinder (weltweit) eine echte Stärke. Die Stärke zur eigenen Stärke. Doch gerade dieses Thema zeigt das alleine Themen, eine Stärke bekommen können, man sagt dann, das hat Gewicht, Trend, Bedeutung. Achtsamkeit, welchen Themen man Gewicht gibt, ist eine echte Stärke heutzutage.

Sich gegenseitig und sich selbst Zuhören – oder auch mal nicht.

Eine aussterbende echte Stärke. Die Gefahr dabei: Pseudogespräche, einfach nur warten bis man selbst dran ist mit reden, vielen ist es gar nicht mehr bewusst, da sie schon lange nicht mehr miteinander reden, sie daten sich ab, whatsappen oder Messangern. Zuhören können, bedeutet für mich eine Stärke, die nicht nur sich zurücknehmen beinhaltet und das Verarbeiten und Einfühlen in die Worte und Bedürfnisse meines Gegenübers. Es bedeutet auch nachfragen, antworten und sich selbst zuhören.

Erkennen, wann man nicht bereit ist, anderen zuzuhören. Der inneren Stimme folgen. Mit sich zwischen den Zeilen- ins Reine kommen, damit man bereit ist, den Welten, um sich herum, zu lauschen, um ihnen lebendig und echt antworten zu können, wenn sie fFragen stellen. Dann achte ich nicht nur auf die Worte der anderen und die eigenen, ich sehe auch die Stärke und Macht der Worte und ihre Gefahren.

„Hau den Lukas!“ und “Stopf es zu liebe Liese“- maskuline und feminine Stärken

Stärke muskulär, Stärke im Kopf, Stärke in Emotion. Power der verschiedensten Art ist existent. Und doch heißt es, der Mann das starke die Frau das schwächere Geschlecht.
Dabei ist das eine zum Teil einschränkende Objektivierung, die vielen Männer (und auch) Frauen den Zugang zu den eigenen „Schwächen“ verbietet.

Versetzen wir uns kurz in die Steinzeit, das ist oft sehr lebensnah, versucht man, menschliche Beziehungsstruktur zu beschreiben. Der Stärkere (körperlich und mental sowie sozial) überlebte.

Witterung aufnehmen, Ausharren, Ruhe bewahren und von 0 auf 100 kampfbereit sein und überwältigen, das waren die Aufgaben und Stärken unserer Vorfahren, der schweigenden Jäger.

Pflegen, Hegen, verstehen, sortieren und sammeln die Aufgabe und Stärken unserer Ahnen der unterhaltsamen Sammler.

Ersterer, kämpft immer noch und definiert Stärke nach Ausdauer, Gelassenheit, Kraft und Macht und Jagd.
Und der Sammler sieht im besten Fall seine Stärke im Wachstum, helfen, verstehen und heilen.

Ich sehe es, aus spiritueller Sicht, als Stärke … zu erkennen, wie wir all diese Anteile unserer Vorfahren in uns tragen und zu erlernen, sie gemeinsam wirken zu lassen. Das bedingt gegenseitigen Respekt auf Augenhöhe und den Mut zur Verletzlichkeit, auch so eine Stärke.

Verletzlichkeit und Stärke?

Gefühle als Stärke. Ja, und zwar radikal. Seine Gefühle anzunehmen, sich Eigenempathie zu widmen und die jeweiligen Bedürfnisse, gerade hinter den Negativ-Gefühlen zu entdecken, bedarf großer Stärke. Trauer, Scham, Schuld, Wut und Ängste sind starke Emotionsfelder. Um diese zu begehen, ist manchmal besondere Ausrüstung und ein erfahrener Begleiter gefragt. Auch oder gerade bei Erwachsenen. Wir lernen Kindern, wie man mit Emotionen selbstregulierend umgeht, wenn wir es selbst können und vorleben, statt es zu verstecken oder uns unbeherrscht vergessen.

Wie das Bewusstsein über die eigene Verletzlichkeit
eine Stärke sein kann?

Es ist das Wissen, um die Verwundbarkeit und sich trotzdem zu stellen. Schmerz, Ängste und Zweifel als Prozess, Ratgeber oder Hinweise zu verstehen, jedoch aus der Beobachterperspektive.

Dafür benötigt es: Würde
Eine weitere Stärke für mich – eng verbunden mit Verletzlichkeit – ist die Würde, solange sie kein Verb ist. Mir meiner Würde bewusst zu werden, gerade bei Herausforderungen, anstrengenden Zeiten, beim Scheitern, Erfolg und Entscheidungen … erfordert Stärke.
Wer sich für dieses Thema interessiert, dem lege ich das gleichnamige Buch, von Gerald Hüther ans Herz.

Eine Superpowerstärke: Würdevolles Nein-Sagen – Grenzen setzen und achten.

Das faire Nein vereint Verständnis und Respekt gegenüber der Bitte, ein Nein sowie ein Gegenangebot.

Das Nein zur Gewalt ob physisch, sexuell oder psychisch heißt: NEIN!

Ich finde es stark, wenn wir uns diesbezüglich, untereinander ernster nehmen, und Zuhören und respektieren, uns weiterbilden und erkennen, das hinter dem Nein, auch ein Ja steht. Bei uns und auch bei anderen Menschen.

Das Ja zu den eigenen Stärken hilft uns, mit Schwächen liebevoller umzugehen.

In meiner Arbeit und hier auf dem Blog, begleite ich Menschen, die große Verletzlichkeit erfahren haben und gleichzeitig Stärken in sich tragen, die sie oft selbst nicht mehr oder „noch nicht“ sehen konnten und es ist eine wundervolle Tätigkeit, ihnen diese aufzuzeigen
Dies ist, eine meiner echten Stärken.

Fazit für mich, und passenderweise auch Inhalt und Idee der Blogparade:

Stärke bedeutet, seine Stärken zu erkennen und sie achtsam zu nutzen.

Ich danke SunnyBee für ihre Blogparade, die nicht nur mich – wie Ihr unbedingt hier lesen solltet:http://mutter-und-sohn.blog/2018/11/17/echt-stark-ein-resuemee-meiner-ersten-eigenen-blogparade/ – zum Brainstorm inspirierte.

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler-Langstrumpf
November 2018

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4 Gedanken zu “Was ist echte Stärke? – über Kindererziehung, Klischee, Zuhören und Verletzlichkeit

  1. Liebe Manja, ganz herzlichen Dank für deinen sensiblen und facettenreichen Beitrag zu meiner Blogparade! Mich spricht besonders an, was du als die Stärke des aufmerksamen Zuhörens schreibst und dass du darstellst, welche Herausforderungen das Eltern Sein für Menschen mit hochsensibler Wahrnehmung beinhaltet. Ich habe darüber selbst einmal einen Artikel geschrieben: https://mutter-und-sohn.blog/2018/09/24/getrennt-mit-kind-und-hochsensibel/ Herzlichen Dank für dein Mitlesen und deinen Blogbeitrag! 🙂 Lg, Sunnybee

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  2. Ich finde den Beitrag sehr wunderbar und würde dir voll zustimmen, dass es Stärke ist, seine eigenen Stärken zu erkennen und achtsam zu nutzen. Ich würde das noch gerne ergänzen, dass es auch Stärke ist, seine eigenen Schwächen zu erkennen und zu schonen.

    Und genauso, wie es enorme Stärke beweist, (trotz Hochsensibilität, aber auch allgemein) Kinder zu bekommen und sein Bestes für sie zu geben, würde ich sagen, dass es Stärke beweist, wenn man sich eingesteht, dass man das nicht packen würde oder nicht möchte. Es ist also auch Stärke, Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen dieser Entscheidungen zu tragen und dafür Verantwortung zu übernehmen.

    Alles Liebe und viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

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