Was ist Liebe? Eine Antwortsuche und die Rolle der Selbstliebe dabei.

Wow was für ein Titel?! Es wäre Wahnsinn diese Frage in einem Beitrag, wie diesen, zu beantworten.
Spoiler: Ich werde mein Bestes geben, doch die Antwort hat mit Dir selbst zu tun.
Viele Menschen denken Liebe in Konzepten, manchen schauert bei diesem Begriff, es lähmt sie oder macht sie blind. Blind vor Liebe. Blind für die Liebe.
Die Theorie ist bei Weitem nicht so kompliziert, wie oft dargestellt, in den Beziehungsstatusfilterblasen.

Was Liebe ist, lässt sich vielfältig beantworten. Dabei entstehen neue Fragen, denn jede Antwort erzählt eine Geschichte, die von außen nicht sichtbar ist. Da eine Umfrage, mit meinem Hintergrund, vermutlich nicht objektiv genug ist, lade ich Dich ein, diese Frage in Deinem Umfeld zu stellen und zu schauen, welche unterschiedlichen Sichtweisen folgen.
Liebe ist ein Gefühl im Chamäleongewand. Liebe ist in uns, völlig unabhängig von einem Gegenüber. Was vielen grundsätzlich nicht auffällt, ist, dass sie oft über Liebesbeziehungen und Formen sprechen, statt über ihr eigenes Gefühl.

Liebe und Selbstliebe ist (k)ein Konzept.

Die Urwunden-Theorie der astrologischen Psychologie spricht vom Schmerz des getrennten Werdens – von der Erde und dem Göttlichen- mit der Geburt. Ich denke, da ist Liebe tatsächlich ein Heilmittel.
Wir kommen auf diese Welt, um Liebe mit all ihren dazugehörigen Gefühlsarten und Adjektiven zu erfahren. Nicht allen ist dies in ihrer Kindheit oder später vergönnt. Menschen sind „abhängig“ davon, dass sie Nächstenliebe erfahren, um zu überleben, ihre Empathie zu entwickeln, Selbstvertrauen und gesunde Selbstliebe. Bleibt das aus, verschiebt sich die Wahrnehmung der gesunden Selbstliebe und darüber, was sie ausmacht (Selbstwert, Vertrauen, Bewusstsein, Würde, Selbstachtung) und somit auch die Liebe an sich. Eventuell interpretiert man dann Selbstliebe als Form von Arroganz/Eitelkeit/Egoismus/Selbstverherrlichung oder grenzenloser Selbstaufgabe, doch das hat mit authentischer Selbstliebe nichts zu tun.

Die Selbstliebe unterentwickelt oder von außen sabotiert, lässt einen tendenziell narzisstisch oder echo-istisch werden. Ein mitunter steiniger Weg führt da raus. Dazu gibt es in der Psychologie mehr als den einen Weg, da es ein individueller Weg ist. Es heißt: Sich anzunehmen, wie man ist. Wenn man vor lauter Wut geplatzt ist, Misserfolge erlebt oder sich unter einer Decke verkriechen will. Mit Kanten und Dellen. Dies bedeutet: sich der eigenen Gefühle und Bedürfnisse bewusst zu sein, ohne anderen die Erfüllung, bedingungslos zu überlassen oder zu erwarten, wo sie stetig ausbleibt.

Die toxischste Beziehung die ich je geführt habe, war die zu mir selbst.

Haben wir da Defizite, zeigen sie sich in unseren Bindungen, brennen wir uns für andere aus oder gehen respektlos vor. Selbstliebe heißt auch Grenzen setzten, bevor es zu viel wird, Fehler eingestehen und Selbstreflexion. Mit sich im Einklang sein und kommen, wenn das Leben uns durchschleudert, Balance in dieser Welt finden, sich finden. Und das haben wir, heutzutage als Gesellschaft spürbar verlernt, oder?

Sie weiß nicht mehr, was sie tun würde, wenn sie sich tatsächlich selbst liebt. Sie fragt es nicht. Wut, Angst, Scham und Schuldgefühle sind, wie Teerboden im eigenen Garten. Experiment: Geh mal einen Tag wachsam durch Deinen Alltag und erkenne, wo überall genau diese Gefühle bewusst manipulativ oder einfach aus Tatsachen heraus erzeugt werden sollen!

Die Urwunde …

Diese Welt ist nicht fair und ich habe für mich (zumindest heute und jetzt) verstanden, nicht mit und in jedem funktioniert Friede-Freude-Eierkuchen. Ebenfalls habe ich erfahren, dass die Gesellschaft von Menschen, die gesunde Selbstliebe praktizieren (ist ja nichts Statisches) und sich dementsprechend verhalten, guttut.

Narzisstische Menschen können dieser Authentizität kaum akzeptieren. Es interessiert sie nicht, sie werden weiter das ‚Konzept‘ der Selbstliebe okkupieren oder anprangern und anderen madig machen, da ihnen die authentische Selbstliebe, der anderen ihre oberflächlich gewünschte Form der Zufuhr entzieht.

Die Idee, der überhöhten Selbstliebe bei Narzissten, ist ungenau. Denn wäre es Selbstliebe, würden sie ihr Umfeld nicht herabsetzten müssen. Es ist eher eine Eigenliebe. Eine Eigensucht die bei anderen nach den Fehlern sucht.

Grandiose Narzissten beziehen sich auf Status, Ansehen, Werte im außen und moralischer Selbstdarstellung. Den verdeckten Narzissten ist es ein Mangel, den es zu überdecken gilt. Auf der ewigen Jagd, entsteht eher gelebter Selbsthass.  Dafür nehmen sie jede Rolle in Kauf, die ihr Schattenspiel verdeckt.

Die gesunde, gelebte Selbstliebe ist das Herzstück des Schutzgartens.
Das Gegengift nach narzisstischem Missbrauch. Die Basis sicherer Bindungen.

Meine Mitte. Meine Verbindung zum Universum und unendlicher Energie.
Sie ist der Schlüssel zur authentischen Liebe oder Partnerschaft.

Wird sie brüchig, torpediert oder unangemessen (Egomanie) handeln wir abhängig, narzisstisch oder beides, statt uns im Feld des gesunden Narzissmus zu bewegen. Sie schadet dann uns selbst und eventuell auch anderen.

Selbstliebe ist ein Grundpfeiler, für die anderen Formen der Liebe.

Beziehungen können heilend wirken, wenn sie uns die Möglichkeit geben, das Beste in uns und im Partner zu fördern. Bleibt da das Selbstliebekonzept auf der Strecke, wird es toxisch. Das heißt, aber auch dass wir lernen dürfen, was Liebe nicht ist. Auch diese Frage habe ich gestellt und auch hier zeigen sich die individuellen Geschichten, die uns ausmachen.

Liebe lässt (in uns) ein „Wir“-Gefühl entstehen. Ob mit unseren Freunden, Eltern, Kindern, Haustieren, der Natur oder einem Partner, es geschieht in uns. Wenn wir vom Herzen sprechen, so ist es stets unser Gehirn und wiederum alle Neuronen unseres Körpers, die unsere Realität erschaffen. Die wahre, oder echte Liebe ist die, die sich in unserem Kopf abspielt und dabei ein gesundes Umfeld fördert, sich selbst multipliziert. Sie ist Bestandteil der Evolution.

Die Griechen waren unserer Zeit weit voraus, bereits die Vorsokratiker beschrieben Liebe in Wörtern, wie Storge für Verwandtschaft oder Vertrautheit. Philia für Freundschaft und/oder platonisches Verlangen. Eros für sexuelles und/oder romantisches Verlangen. Und Agape für die selbst entleerende oder aufopfernde Haltung.

Daraus entstanden weitere Varianten und Prinzipien der Liebesstile. Wie von dem Sozialpsychologen, Aktivisten und Autor John Alan Lee, in seinem Buch „Colors of Love An Exploration of the Ways of Loving (1973)“  mit der color wheel theory of love beschrieben.

Eros – die leidenschaftliche, sexuelle und romantische Liebe,
Storge – tiefes Verständnis füreinander und freundschaftliche Liebe
Agape – die altruistische, aufopfernde Liebe
Mania – obsessive, besitzergreifende Liebe
Ludus – spielerische, unverbindliche, freie Liebe
Pragma – pragmatische Liebe aufgrund von sozialer/finanzieller Vorteile

 

By KaitlindzurenkoOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Oft überschneiden sich die Liebesformen. Je mehr sie harmonieren desto gesünder und authentischer ist die Liebesbeziehung. Noch heute populär in der Psychologie, ist die Dreieckstheorie Sternbergs, die sich auf das Zusammenspiel zwischen Festlegung, Vertrautheit und Leidenschaft bezieht, aus der er 8 Kategorien der Liebe ableitete. Für viele kann dieses Model Einsicht geben.

Nicht immer treffen sich zwei Menschen mit den gleichen Intentionen. Ist dem so, entstehen die verschiedensten Formen einer Beziehung. Aus dieser Sichtweise heraus wird mir verständlich, warum man mehrere Menschen lieben, sich ver-lieben kann, nicht den passenden Partner findet oder die Antwort auf die Frage: „Warum liebst Du mich eigentlich?“, nicht immer die ganze Wahrheit beinhaltet oder eventuell eine, mit der wir nicht zufrieden sind. Da wir zusätzlich erschwerend unterschiedliche Sprachen der Liebe anwenden, ist es zwar immer noch einfache Theorie, doch auch verständlicher, warum die Praxis oft erschwert wird.

Das Gegenteil von Liebe ist Angst.

Liebe ist Energie, Zuwendung, Hingabe und Bewusstsein, praktisch die Abwesenheit von Angst. Wenn wir Liebe fühlen, entsteht eine Einheit, Verbundenheit und Quelle der universellen/göttlichen Energie fern des Abgetrennten. Und doch fühlen wir Ängste, wenn Bindungen unsicher, Menschen nicht erreichbar sind oder Illusionen sich als solche erweisen. Dann empfinden einige jenes als Spiegel (ja dem einem oder anderen dürfte gerade etwas klingeln) und beziehen es, wenn dann die Selbstliebe hinkt, auf sich selbst, sie übernehmen den „getrennt sein Schmerz“ des anderen und sehen sich dafür mitverantwortlich.

Der Effekt dabei ist: Je vermeidender jemand agiert, desto ängstlicher macht es.

Angst schiebt immer etwas weg. Doch auch Ängste gehören zu einer Beziehung, gemeinsame und individuelle. Im besten Falle sind diese eine gemeinsame Aufgabe, sei es sich gegenseitig zu beruhigen oder sich gemeinsam der Angst zu stellen.

Du liebst und hast Angst vor dieser Person?

Das nennt man in der Psychologie: kognitive Dissonanz.
Betrachte es als zwei Anteile in Dir, die getrennt voneinander denken. Es ist vielleicht eine Wunschsicht vs. das, was ist, und dafür hat Mensch verschiedenste Panikstrategien, die nicht förderlich für eine sichere Beziehung sind und sehr toxisch wirken. Die Vernunft entscheidet nicht, hauptsächlich sind wir emotionsgesteuerte Lebewesen.

Oder ist es die Angst, vor der Liebe?

Ist es möglich, dass Mensch heutzutage eher Liebe und ihrer natürlichen Abhängigkeit zum Umfeld, mit Selbstaufgabe, Kontrollverlust, Mangel und Gefahr verbindet, warum nach biochemischer Reaktion nur noch Pragma wartet? Ist es, weil sie selbst sich, weder Wert noch Achtung und Liebe entgegenbringen und damit das nicht getriggert wird, schießen sie gegen das, was sie näherbringt, authentisch sein zu können? Überlebensmodus als Grundeinstellung?

Haben wir in unserer Kindheit oder wiederkehrend in Beziehungen erlebt, wie sich Eltern streiten, nicht achten, ignorieren und trotzdem zusammenbleiben, dann ist das ein Fingerabdruck in uns, der Liebe mit negativen Gefühlen und Dynamiken zusammenbringt. Vielleicht gehörst Du zu diesen Menschen, die Angst haben sich fallen zu lassen, davor Nähe mit Gefühl und Bindung zu vereinbaren, vielleicht gehst Du aufgrund solcher Erfahrung auf Nummer sicher und hast dadurch jede Menge Abwehrmechanismen?

Von hier bis zum Mond und zurück …

Liebe ist ein vielfältiges Gefühl abhängig von unserem Erleben, Erfahrung und unseren Bindungstyp. Objektliebe ist häufiger, als uns bewusst ist. An dem Punkt, wo wir uns untereinander zum Objekt machen oder uns selbst so sehen. Eine Liebesbeziehung ist eine Art unsichtbarer Vertrag mit individuellen Regeln und leider ohne Garantieschein, auch wenn manch einer den Trauschein als solchen betrachtet.
Liebe ist.
Um zu fragen und zu beantworten, was es ist, bedarf es gesunder Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstwert und Kommunikation. Dichter, Musiker, Philosophen, Biologen, Psychologen und Analytiker können nur Momentaufnahmen wiedergeben. Liebe macht sich überall sichtbar, in der Natur, in Geschichte, Wissenschaft und Kultur, im Universum.

Liebe kennt keine Grenzen, sagen sie. Liebe in Beziehungen jedoch schon. Und ja es ist kompliziert für Außenstehende, doch intern ist Liebe unabhängig von Zeit und Raum. Und je mehr wir sie in uns finden, desto eher können wir, sie um uns sehen und weitergeben. Alles andere wäre sich (un)bewusst in Manipulation oder Selbstsabotage zu üben.

Nur weil es eine Art geschäftlicher Vertrag ist, heißt es nicht, dass es automatisch ein Geschäft oder Spiel ist, welches zu gewinnen ist oder Profit abwirft. Es sollte nichts sein, wofür wir uns verbiegen oder was sich für den einen rechnet, während der andere leer ausgeht… denn die Endabrechnung macht man stets mit sich selbst.

Während der letzten Beiträge, hier im Schutzgarten, ist mir klar geworden, dass ein wichtiges Thema sich wie ein roter Faden durchzieht: Allgemeines Bindungsverhalten in Beziehungen! Darüber mehr demnächst.

Und Du? Was ist für Dich Liebe? Was denkst Du über Selbstliebe?
Welche spannenden Theorien über Liebe kennst Du.

Weiterführend dazu im Schutzgarten
über Gefühle und der biochemische Blick zur Liebe,
über meine Vorstellung von Liebe,
über Selbstliebe,
über Kommunikation und Gefühle
und dann wäre da noch der Mensch.

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
Spirit/Coach/Berater
Danke an Margot Dimi, für den zweiten Blick.

Juni 2019

Ich biete weder Diagnosen noch Therapie, doch unterstütze auf Anfrage individuell Narzissmus und narzisstischen Missbrauch zu erkennen, zu verstehen sowie beim Ausbau Deines Schutzgartens, der Suche nach Deinem Weg und der Antwort auf die Frage:
Warum ich? Schreib mir eine unverbindliche kurze Mail für einen Überblick meiner Beratungs- und Coaching Optionen.

2 Kommentare zu „Was ist Liebe? Eine Antwortsuche und die Rolle der Selbstliebe dabei.

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