Gartengespräch mit Karin vom Verein Seelenwerkstatt

In Wien hat sich ein Verein gegründet, für Menschen die emotionale Gewalterfahrung verarbeiten wollen. Das Netzwerk wächst und ich bin dankbar über diese Entwicklung. Es kann nicht genug Menschen geben, die sich dem Thema annehmen und aktiv helfen.
Wie wichtig Austausch (aus meiner Sicht) ist, habe ich hier beschrieben.
Was genau die Seelenwerkstatt bietet, wie sie arbeiten und was es braucht, um das Projekt und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen, erfahrt Ihr hier im Gartengespräch mit einer der Gründerinnen vom Verein Seelenwerkstatt.

Willkommen im Schutzgarten ich bin froh, Euch gefunden zu haben, ihr habt Euch ein mutiges und wichtiges Thema, auf die Fahne geschrieben. Wie habt ihr Euch gefunden und wie kam es zur Idee?

Karin vom Verein Seelenwerkstatt:
„Hallo und danke für die Chance der Vernetzung. Wir freuen uns, dich gefunden zu haben.
Durch persönliche Betroffenheit und nach Gründung der ersten Selbsthilfegruppe in Wien, wurde der Verein Seelenwerkstatt ins Leben gerufen. Das Thema der emotionalen Misshandlung wurde sehr schnell angenommen und durch die hohe Anzahl der Geschädigten, wurde schnell klar, es braucht einen Bruch des Tabuthemas. Denn die Scham ist immer noch enorm.“

„… es braucht einen Bruch des Tabuthemas. Denn die Scham ist immer noch enorm.“

Seit wann gibt es den Verein und was bietet ihr an?
Karin vom Verein Seelenwerkstatt : „Offiziell gibt es den Verein seit Februar 2019. Wir sind noch im Aufbau. Derzeit können wir die Selbsthilfegruppe anbieten, ein offenes Ohr via Telefon und Mail. Wir bauen gerade die Selbsthilfegruppen aus, und geben unser Bestes um ein möglichst großes Netzwerk zwischen, Juristen, Therapeuten, Medien und allen die helfen wollen zu erstellen. Es wird noch einiges an Zeit und Arbeit benötigen, um dies alles zu schaffen, da wir, dass Team und alles vom Verein, in der Freizeit erarbeiten.“

Tatsächlich etwas, was auch ich mir wünsche, nur zeitlich nicht gestemmt bekomme.
Wie war der Weg die ersten Monate?
Karin vom Verein Seelenwerkstatt:
„Es war spannend, herausfordernd und auch hart.“

Umso genialer die Idee, Wissen und Erfahrung direkt zu Teilen. Ihr unterstützt andere dabei Selbsthilfegruppen zu gründen, in welcher Form?
Karin vom Verein Seelenwerkstatt:
„Wir sind gerade dabei, zwei weitere SHG in Österreich zu gründen, und auch zwei Anfragen aus Deutschland und der Schweiz stehen im Raum. In Österreich ist es etwas einfacher, da können wir teilweise auch vor Ort helfen. Aber es stellt auch kein Problem dar, dies via Mail oder telefonisch zu machen. Wir helfen gerne bei Erkundigungen in diversen Städten, was Gründung und Räumlichkeiten betrifft. Und natürlich mit Rat und Tipps wie wir begonnen haben. Zusätzlich haben wir auch die Möglichkeit, via Social Media und auch auf unserer Homepage, die Gruppen anzuführen oder auch bei Nachfrage (die oft kommt) zu vermitteln.“

Ja, man bräuchte es praktisch in jeder Stadt. Rückblickend auf die letzten Treffen, was erwartet die Menschen, die zu Euch kommen?
Karin vom Verein Seelenwerkstatt:
„Auf alle Fälle das Wissen, dass man an der Situation nicht schuld ist, dass es genug Menschen gibt, die in der gleichen oder ähnlichen Situation und sind und natürlich der Austausch, denn der gibt Kraft und Hoffnung. Unsere Besucher erwartet eine herzliche Aufnahme, Austausch an Erfahrungen, Tipps und Ratschläge von Gleichgesinnten und wenn es hart auf hart kommt, ein offenes Ohr außerhalb der Treffen.“

„In 90 Prozent der Fälle, die sich an uns wenden, wird uns berichtet das sie allgemein, weder ernstgenommen werden noch passende Hilfe erhalten.“

Was sind bei Euch lokale Sorgen, im Umgang mit seelischer Gewalt?
Karin vom Verein Seelenwerkstatt:
„Höchst bedenklich finden wir den Umgang mit diesem Thema. In 90 Prozent der Fälle, die sich an uns wenden, wird uns berichtet das sie allgemein, weder ernstgenommen werden noch passende Hilfe erhalten. Sprich, dieses Thema ist zu wenig öffentlich, es wird medial kaum berichtet. Aus Scham wird das Thema totgeschwiegen. Wenn ein traumatisierter Betroffener zu einem Therapeuten geht und nicht ernst genommen wird (ist leider real passiert) und dann auch noch abgewertet wird und ihm die Schuld an seiner Situation zugewiesen wird, wie soll sich denn dann die Situation ändern oder verbessern? Wir leben in einer Täter-freundlichen Gesellschaft und es ist höchste Zeit, dass sich zumindest am Schutz der Opfer etwas ändert. Und dass dieses Thema endlich in der Öffentlichkeit bearbeitet wird.
Der zweite wichtige Punkt ist, dass das Problem innerhalb toxischer Familien beginnt, und man keine Chance hat dem Kind oder Jugendlichen zu helfen. In der Selbsthilfegruppe dürfen wir unter 18 niemanden zulassen. Ein Kind oder Jugendlicher hat weder Schutz noch die Möglichkeit auf Hilfe, denn er braucht die Zustimmung der Eltern. Dies ist ein gesetzliches Problem.“

Ja ein wichtiges Thema, dafür braucht es fast Extravereine und es wird schwierig bleiben, da mit emotionaler Balance heranzugehen.
Wenn Du drei Wünsche frei hättest für den Verein, wo soll es hingehen?
Karin vom Verein Seelenwerkstatt:
„Firmen die uns unterstützen.
Ein heimlicher Traum wäre ein eigenes Vereinshaus, ein Haus, das für Schutz steht, für gute Therapie, Energie und Energetik. Wo betroffene, ob jung oder alt einfach einen Platz zum Schutz haben, um zur Ruhe zu kommen …“

Diesen Traum kann ich gut nachvollziehen. Wie kann man Euch unterstützen?
Karin vom Verein Seelenwerkstatt:
„Mit Öffentlichkeitsarbeit und gratis Werbung.
Geldspenden.
Spendeaktionen mit Firmen gemeinsam wären ganz toll.
Grundsätzlich gilt aber, wir sind für jede Hilfe sehr dankbar.“

Ich wünsche Euch jene und weiterhin viel Mut und Kraft für diese wertvolle Arbeit.
Letzte Worte und Botschaft für die Leser des Schutzgarten?
„Ihr seid beim Schutzgarten in richtig tollen Händen und auch bei uns im Verein Seelenwerkstatt jederzeit herzlich Willkommen.
Gib alles nur niemals auf!
Alles liebe eure Karin“

Webseite von der Seelenwerkstatt
Seelenwerkstatt bei Facebook

Das Interview mit Karin Korntheuer vom Verein Seelenwerkstatt

führte
Manja Kendler
Spirit/Coach und Schutzgärtnerin

Oktober 2019

Sie sind das erste Mal hier auf meiner Seite? Bitte nehmen Sie sich die Zeit, meinen kurzen Beitrag „Warum Schutzgärtnern? zu lesen.

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