Gartengespräch mit Astrid Bösser über Fitness, Bewegung, Grenzen, Affen und Embodiment

Frühling, – alles kommt in Bewegung. Wirklich alles?

Zumindest entfaltet, dehnt und streckt sich die Natur und während manch ein Schutzgärtner bereits die Körperaktivität fest in seinen Alltag integriert, ruht der ein oder andere noch. Alles hat seine Zeit. So auch die für ein Gartengespräch mit einer Expertin dafür:
„in Bewegung zu kommen“.

Eine Hürde, die über Fitnessstudio-Anmeldung, Yogakurswochenende und verordnete Physiostunden hinaus geht. Doch das hat Ursachen und Gründe (zum Beispiel Schmerzen, Unlust und schlechte Erfahrungen) und da braucht es erfahrene Coaches und Ansätze.

Astrid Bösser ist Bewegungscoach und Personaltrainerin mit Leib und Seele für junge und ältere Menschen. Sie nutzt die spielerische Energie ihrer Klienten, um Schmerz und Unbeweglichkeit Raum zu geben und sich zu transformieren. Sie bietet Stand, Freiheit und Lebensqualität und mehr, wie Sie im Interview berichtet. Auf ihrer Seite monkeyfit.de findet Ihr auch Zugang zu ihrem Newsletter, der mir persönlich einer der wertvollsten im Posteingang ist.

Bereit für aktives Embodiment? Lass Dich inspirieren

Astrid Bösser in Bewegung

1. Einerseits lernen wir frühzeitig: Bewegung gehört zum Leben. Andererseits, woher kommt Ihrer Ansicht nach bei vielen Menschen die Unlust und Überwindungshürde dazu?

Astrid Bösser: „Manche von uns haben nie gespürt, wieviel Freude Bewegung machen kann. Andere verlieren die Lust daran unterwegs. 

Zum Beispiel im Schulsport oder während anderer sportlicher Aktivitäten bei denen wir uns unwohl fühlen. Sei es, da wir in den abgefragten Disziplinen versagten, stets als letzte ins Team gewählt wurden, schlechte Noten bekamen. Oder uns zu gleichförmigen Trainings zwangen, um die gewünschte Leistung zu bringen. 

Solche Erfahrungen tragen dazu bei, dass wir Bewegung schon früh als unangenehme Pflicht wahrnehmen. Die manche von uns im Anschluss meiden. Während andere Sport wie eine Droge einsetzen und weit mehr trainieren als Ihnen gut tut – um Sorgen und Unsicherheit vorübergehend zu dämpfen.

In beiden Fällen hilft’s, die Freude an Bewegung erstmal wieder spielerisch zu wecken. So dass wir begeisternde Erfahrungen sammeln, ein frisches, gesundes Verhältnis aufbauen – und uns immer häufiger so bewegen, dass es uns rundum gut tut.“

2. Da sind wir direkt bei meiner nächsten Frage, denn viele Menschen haben schon mal die eigenen Schmerzgrenzen gespürt. Einerseits heißt es dann Schonung, andererseits über den Schmerz gehen. Wer beantwortet denn die Frage: Was darf und geht? Kann ich das selbst einschätzen oder eher Über-Unterschätzen. Was ist ihre Erfahrung mit Grenzen der Klienten? 

Astrid Bösser: „Stimmt, bezüglich Schmerz brauchen wir ein gutes Gespür. 
Denn nicht jeder Schmerz bedeutet, dass etwas geweblich kaputt ist oder geschont werden sollte. Auch innere Konflikte und Ängste können quälende Schmerzen auslösen. Dazu beitragen, dass wir uns immer weniger trauen. Hierdurch zunehmend schwächer und ängstlicher werden und uns immer mehr zurückziehen – was unser gesamtes Leben lähmt.

Wenn wir also spüren, dass Schmerzen nicht konstant sind, sondern sich durch negative Erlebnisse deutlich verschlimmern – und während Positiven abebben – lohnt es sich, uns diese biopsychosozialen Zusammenhänge immer wieder zu vergegenwärtigen. 

Strategien zu finden, die uns helfen, Ängste und damit einhergehende Spannungen zu lösen bevor sie die Schmerzspirale immer neu triggern. So dass wir uns schrittweise wieder mehr zutrauen. Positive Erfahrungen sammeln. Wieder lebendiger sind – und den Mut finden unser Leben so zu ändern, dass es seltener schmerzt.

Falls sich Schmerzgrenzen aus anderen Gründen nach unten verschoben haben -zum Beispiel nach einer Schulter-OP kann es Sicherheit verleihen, anfangs unter Anleitung zu üben.

Wieder andere Schmerzen treten stimmungsunabhängig immer wieder auf. Zum Beispiel stechende Knieschmerzen. In solchen Fällen müssen wir nachforschen und – sofern keine akuten Verletzungen vorliegen – zugrundeliegende Dysbalancen mittels gezielter Übungen beheben.“

3. Liebscher Bracht, Feldenkrais, Alexander Technik sind übliche Schmerzbewegungstherapien, wenn die nicht helfen, sagen Sie „Komm zu mir!“, klingt fast zu gut um wahr zu sein, was fehlt denn bei diesen Ansätzen, die alle durchaus bekannt sind für ihre positive Wirkung?       


Astrid Bösser: „Jeder dieser Ansätze kann wertvolle Elemente liefern. Führt dennoch nicht Jeden zum gewünschten Erfolg. 

Denn was uns fehlt ist individuell verschieden. Und – häufig untergraben wir unsere Gesundheit gleich auf mehrere Arten. Selbst während wir gute Ansätze verfolgen.

Kämst Du also mit chronischen Schmerzen zu mir, würden wir zuerst gemeinsam schauen, welche Faktoren dazu beitragen, dass Beschwerden fortbestehen oder immer wieder erneut auftreten.

Dann ersetzt Du schrittweise Schädigendes durch Stärkendes: Das Deine Autoregulation fördert. Es Dir ermöglicht, gut zu regenerieren und Dir täglich frische Energie verleiht. Auf dieser Basis führen dann selbst kleine, individuell passende Änderungen zu spürbarem Erfolg.“

3 Frauen mit MS Erkrankungen in Bewegung

4. Sie haben verschiedene interessante Angebote auf ihrer Seite monkeyfit.de. Was bedeutet es die eigene Taille auszubuddeln und gibt es dafür eine Altersgrenze?      

Astrid Bösser: „Taille ausbuddeln bedeutet: Belastendes ablegen. 
Nicht nur unnötige Schutzschicht. Auch die Faktoren, dank derer wir sie aufbauen.
Hierzu normalisieren wir einerseits unsere Dopamin-Rezeptoren. So dass wir seltener Heißhunger verspüren, weniger Süchteln und natürliches nährstoffreiches Essen wieder so richtig genießen.

Und üben andererseits, immer genauer zu spüren und uns gönnen was wir wirklich brauchen. Seien es Ruhe, Gemeinschaft oder freudvolle Bewegung. Kurz: Wir gewöhnen uns an, uns selbst wie Jemanden zu behandeln, der uns am Herzen liegt.

All dies geht glücklicherweise in jedem Alter. Am allerbesten, wenn wir von dem wie’s bislang lief die Nase gestrichen voll haben und zukünftig einen liebevolleren Pfad gehen möchten.“

5. Benötigt es die passende Kleidung loszulegen und wie wichtig sind ‚atmungsaktive Textilien‘ und ‚der perfekte Schuh‘ loszulegen? Und gibt es tatsächlich Dinge und Ausrüstung, die sinnstiftend sind.


Astrid Bösser: „Nein. Fang einfach an. Teste, mit was Du Dich am wohlsten fühlst und ergänze nur, falls was Du Dir etwas anderes auf Deinem Körper wünschst.“

6. Angenommen, ich finde keinen Bewegungscoach vor Ort, ist Onlinetraining eine mögliche Alternative?


Astrid Bösser: „Klar, auch Online gibt’s tolle Angebote.
Ich selbst begleite besonders gern Amazonen und Wikinger ab 38⅓, die nach ernüchternden Diagnosen – wie Parkinson, MS oder Long-Covid – ihr Schicksal selbst in Hand neben möchten. Sich mehr Leichtigkeit wünschen. Oder langfristig schmerzfrei und schlank leben mögen. Für all dies gibt’s liebevolle 1:1 Betreuung, dank der Du schneller und leichter vorankommst.“

in Beweguung

7. Eine persönliche Frage, ich habe einen heißen Draht zu einem Gedankenaffen, wenn ich jenem sage: „Monkeyfit! Los, jetzt mach Sport!“ Schaut der mich mit großen Augen an und antwortet: „… ist Mord!“

Weitere Beschimpfungen und Affenweisheiten lasse ich hier, aus Gründen, inhaltlich aus. Welche faktenresistente und affenstarke Top 3 Argumente kann ich ihm ans Herz legen sich doch auf mehr Bewegung einzulassen?

Astrid Bösser: „Lieber Mit-Affe: Ich mag auch keinen Sport. 
Erinnert mich zu sehr an Wettkampf, Pflicht, Druck und Langeweile.
Also komm einfach raus, spielen. 
Wir erforschen die Gegend. Schauen was geht. Helfen uns gegenseitig. 
Spielen bis wir glücklich sind. Vielleicht sogar ein wenig stolz. 
Danach essen wir was – es schmeckt magischerweise doppelt so gut.
Schlafen tief und träumen von immer gewagteren Abenteuern.“

8. Wer hat Sie am meisten geprägt?

Astrid Bösser: „Was mich von allen neuen Perspektiven am meisten begeisterte und prägte waren Erlebnisse mit Thomas ‚des Bois‘ Couetdic sowie in verschiedenen Parkour Communities.

Dank Parkour – oder auch Natural Movement – erlebst Du alles nochmal neu.

Du spielst wieder wie ein Kind: Wild. Kreativ. Gemeinsam.

Entdeckst überall faszinierende Möglichkeiten und beginnst -auch auf dieser ganzheitlichen Ebene- endlich wieder zu wachsen. „

9. (Anmerkung: Der Affe hat sich eine Räuberhose angezogen und meinte „Muss los, hab ein Date!“) Angenommen, jemand bekommt beim Lesen dieser Zeilen unbändige Lust, sich seinem Bewegungsdrang zu öffnen, für den Anfang, wie viel darf es denn sein? Und was?

Astrid Bösser: „Was und wieviel wir mögen und brauchen ist so verschieden, dass es Quatsch wäre, hier Regeln vorzugeben. 

Wenn Du weise sein magst: Beginn sachte. Spür wie’s Dir danach geht. Pass die Dosis so an, dass es Dir nach jeder Session ein wenig besser geht als zuvor.

Falls Du Dich fragst, was Du ohne Fitnessstudio oder Geräte im Freien Lustiges tun kannst: Hol Dir mein kostenloses ebook Natural Play – spielend fit ohne öde Workouts.“

Die Welt in Bewegung aus anderen Perspektiven entdecken.

10. Eine gewagte Frage in Zeiten wie diesen: Gibt es berufliche Pläne oder Aufgaben, auf die Sie sich freuen und die Sie in der kommenden Zeit anstreben?
Astrid Bösser: „Ja! Ich freu mich tierisch, wann immer ich Jemanden dorthin begleiten kann, wo sich lähmende Schmerzen endlich lösen. Oder zu etwas zu verlocken, dass er sich nicht zugetraut hätte. 

Der Weg dorthin ist spannend. Wir transformieren Ängste. Legen Lasten ab. Erschaffen ein neues Leben – in dem wir immer häufiger frei atmen. 

Wenn dies geschieht und ein lebendiger, strahlender, in sich ruhender Mensch hervortritt, das ist so schön – das plane ich noch oft zu unterstützen. 🙂 „

11. Vielen Dank, dass Sie Ihr Wissen sowie Zeit mit uns teilen. Haben Sie abschließende persönliche Worte an die Schutzgartenleser?


Astrid Bösser: „Wie wirst Du uns retten?

Womöglich sind wir Menschen im Eimer. Vielleicht haben wir bereits so viel verbockt, dass uns bald alles um die Ohren fliegt. Manchmal tröste ich mich damit, dass die Erde gut ohne uns zurecht kommt und danach eben anderen Kreaturen mehr Raum bietet. 

Doch – Jeder von uns kann etwas bewegen. Und sei es nur eine Kleinigkeit, die im direkten Umfeld strahlt. Und dieses Gefühl, etwas zu bewirken – für etwas zu leben – ist so wichtig für unser eigenes Glück. Den geheimen Funken, der bestimmt, wie viel wir verkraften. 

Dank Dir, Manja, für Deine lebensrettende, transformierende Arbeit sowie die Einladung zu diesem Interview.“

Astrid Bösser findet Ihr unter Monkeyfit.de

Bildrechte: Astrid Bösser mit freundlicher Genehmigung

das Interview führte ‚Die Schutzgärtnerin‘
Manja Kendler
April 2022 

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