Bunte schwarz-weiß Gedanken #11 über Schweigen brechen, Trauma und gefährliche Annahmen und Kämpfe.

Ab Dienstag, den 31. Mai, beraten sich die Jury Mitglieder weiter im Amber Heard – Johnny Depp Fall. Schwere Entscheidungen und zum Glück keine meiner Aufgaben.

In diesem Beitrag möchte ich weitere Gedanken zusammenfassen, was aus meiner Sicht mehr Bewusstsein erfordert. Als Begleiterin von Menschen, die sich noch mittendrin befinden oder aus gewaltvollen Beziehungen kommen bin ich stets auf der Suche, zum einen Menschen zu sensibilisieren aber auch Schutz und Sicherheit zu fördern und fordern.

Nach 6 Wochen müssen sie nun zu Entscheidungen kommen, die trotz aller Zeugen und Aussagen knifflig sind. Denn theoretisch musste nachgewiesen werden, dass Johnny Depp nicht ein Mal gewalttätig ihr gegenüber war. Wie aber will man alles ausschließen?

Als externe Beobachterin war diese Verhandlung für mich eine Herausforderung. Trigger, Twists, wütende fast übergriffige Aussagen und Enttäuschungen über „Experten“, die höchst unprofessionell agierten. Mehrmals griff Heard, Depp im Gerichtssaal an. Einhalt gebot ihr niemand. Die Vogue (Zeitschrift) titelte: Wir müssen allen Frauen und auch Amber jetzt glauben! Kurz: Ich glaube, dass Frau Heard wirklich glaubt, was sie berichtet, doch nicht nur bei mir als HSPler ist das Bullshit-o-Meter extrem aktiviert. Ich bekomm Herzflattern von dieser Unstimmigkeit zwischen dem Gesagten, Gezeigtem und diversen ihrer Aktionen.

Ja, glauben, doch auch prüfen.

Schweigen brechen!

Ich bin unglücklich mit der Auslegung dieser Kampagne.
Schweigen Brechen bezieht sich auf den Fakt, dass die meisten Opfer sich selten Hilfe suchen. Toxische Scham, andere Gefühle, Manipulation und soziale Umstände bewirken genau das. Es zielt darauf ab, dass sich jene an Beratungsstellen, Polizei und vertrauten Menschen öffnen. Das man gerichts-medizinische, psychosoziale Unterstützung sucht und vorhanden ist, dokumentieren lässt und sicher auch, dass die Gesellschaft sensibilisiert wird.

Selten hat sich je etwas geändert, wenn er oder sie sich als akutes Opfer der Öffentlichkeit mitteilt ohne forensische Beweise und konkrete Schutzmaßnahmen (Anonymisierung). Natürlich kann man mit einer Opfergeschichte auch Zufuhr generieren.
Ein Wolf im Schafspelz ist jedoch selten konsistent. Sie lügen, sie agieren ambivalent und deren Anklage lässt kaum Raum, für Selbstreflexion.

Noch mal: Ja, Schweigen brechen – ja, im geschützten Rahmen. Und Presse, ist eine letzte Wahl sein Recht einzufordern. Es geht in erster Linie darum, dass Du Dir vertraust und ernsthaft Wege suchst da rauszukommen, statt sich weiter rein zu steigern oder Fokus darauf zu legen, was die Öffentlichkeit über Deine Peiniger denken soll. Ja, es gibt Fälle, da ist es hilfreich zusammen mit Vereinen die Presse zu nutzen. Doch auch immer sollte hier eine gleichzeitige Risikoeinschätzung erfolgen.

Der „keine Tränen – keine Trauer“ Hoax

Da ich Traumatherapie erfahren und darin gelernt bin, kann ich versichern, dass es durchaus nicht unüblich ist, dass die Tränenflüssigkeit erschöpft sein kann oder blockiert durch Trauma.
Was dann seltener passiert ist eine gleichzeitige theatralisch unpassende Darstellung dazu.

Was ich auch versichern kann, dass die Trauma-Reaktionen nicht heute so, morgen so ausfallen. Auch kann ich bestätigen, dass die Goldstandards der Diagnostik, wie der PCL-5 keine Dauerankreuzung von allen Symptomen zulässt. Trauma zeigt sich auf verschiedene Weisen und all die werden eben auch abgefragt. Um zu evaluieren, gibt es diverse Tests, die ohne Gespräch kein Narrativ ergeben. In meinem Video über narzisstischen Missbrauch spreche ich, über das A-typische Trauma was durch diese Beziehungsdynamiken entsteht und die Testmanuals nicht ausreichend sind, dass Trauma durch psychische Gewalt vollständig zu erfassen. Dabei geht es weniger um Symptome, mehr um die Narration des Traumas da es eben selten der eine bestimmte Vorfall ist, sondern mehrere über Monate und die Summe dieser.

Natürlich gehört zu einer Evaluierung auch der Ausschluss anderer Störungen, auf die sich ein Trauma legt oder die daraufhin folgen.

Etwas was alle psychologischen Experten innerhalb der Verhandlung vernachlässigten und weniger auf dem Schirm hatten: Eine vorhergehende oder begleitende Störung schließt eine zusätzliche Traumatisierung nicht aus. Zum Beispiel können auch Menschen im Borderlinerspektrum, durchaus auch unter einer zusätzlichen posttraumatischen Störung leiden nach traumatischen Beziehungen oder Erfahrungen. Diese Entweder-oder-Ausschluss-Diagnosen, die in den Verhandlungen von Expertenzeugen getätigt wurden, sind aus meiner Sicht unprofessioneller Bärendienst.

Interessant finde ich auch, wie nicht erwähnt wurde, welche Behandlungskonzepte Amber Heard aufgrund die von ihrer Seite angeführte Diagnostik gewählt wurden oder ich habe es bei 23 Verhandlungstagen überhört. Also: Objection Hear say und Narrativ von mir 😉 !

Der „Er oder sie, kann mir nicht in die Augen schauen, weil er schuldig ist“ Hoax

Im erneuten Kontakt mit Peinigern, rate ich Opfern und Überlebenden des narzisstischen Missbrauchs davon ab, den Augenkontakt zu suchen.
Wer über die Verknüpfung zur Empathie und über den starren, schwarzen Blick oder „Kälteblick“ von narzisstischen Menschen weiß, fordert sich den Augenkontakt nicht ein, sondern schützt sich davor.

Die pathologische Störung anderer Menschen ändert sich nicht durch Dein vor ihnen demonstriertes (meist künstlich erzeugtes) Selbstbewusstsein – im Gegenteil es fordert sie förmlich heraus.

Beispiel einem Psychopathen zu demonstrieren: Ich habe keine Angst vor Dir – bringt gar nichts erst recht, wenn er oder sie Deine Angst riechen kann und sich davon ernährt. Wenn Du vor Gericht gehst oder gezwungen wirst, kann das Gericht und Deine gerichtliche Vertretung in schweren Fällen, entsprechende Sicherheitsbedingungen veranlassen.

Fazit

Der Anlaufpunkt für Opfer und ihre Geschichte ist weniger die Weltöffentlichkeit und YouTube und weniger ein „Allen in dieser Gruppe“ müssen wir glauben.
Die Anlaufpunkte sind psychologische und soziale Beratungsstellen, Frauen und Männerhäuser, Therapeuten, Hausärzte (jeder Hausarzt kann sich ein Toolkit zur gerichtsmedizinischen Dokumentation zulegen), Gewaltambulanzen und die Polizei sowie die Justiz.
Dass ich selbst auf derlei Möglichkeiten zum Teil verzichtet habe, war oft der Angst geschuldet und dem Wunsch meine Ruhe zu haben sowie fehlendem Wissen und Beratungsmöglichkeiten.

Erneut der Hinweis:
Dokumentation ist wichtig: Wer? Wann? Was? Wie und mögliche Zeugen.
Den Mut dafür, möchte ich Dir zusprechen, in einer derartigen Situation.
Genauso den Mut – Dir zu glauben, was geschehen ist und dennoch nicht zu erwarten das dein äußeres Umfeld Dir das bestätigen kann/muss/soll.

Allen Frauen glauben?
Ja, in dem wir genügend geschützte Räume und Möglichkeiten einrichten sowie entsprechend auch einräumen die Fakten zu prüfen und ihnen durch Schutz und Prävention zu helfen. Klar Täter aber auch Täterinnen benennen. Ich bin froh, dass sich diesbezüglich mehr bewegt in den letzten Jahren und es gibt noch viel zu tun.

Doch wir dürfen Fälle wie Jodi Arias, oder dieser oder jener oder jener oder dieser oder hier der nicht weiter ausblenden die eindeutig dagegensprechen. Diese Art der falschen Anschuldigungen ist auch das Meisterhandwerk extrem narzisstischer Menschen. Genauso die Provokation zur Selbstverteidigung.

Ja, man kann in die Ecke getrieben werden durch narzisstische Menschen und es ist wichtig zu erlernen, sich emotional selbst zu regulieren ohne selbst gewalttätig zu werden. Doch manchen fällt jenes besonders schwer. (Besonders im Cluster B Bereich ist dies neuropathologisch verankert.)

Menschen verletzten Menschen. Und nicht wenige Experten missbrauchen ihre Position und eröffnen oder verstärken erst oder verharmlosen das Täter-Opfer Spiel.

Wer helfen will und bei Aufklärung über narzisstischen oder psychischen Missbrauch bei einem ständigen „der Täter“ Narrativ bleibt, kann nicht verstanden haben. Wer Dir rät, Szenen zu inszenieren, zu lügen oder zu provozieren und sich bei seiner Aufklärung und Hilfe Dich daraufhin instruiert zum Beispiel „andere zu bestrafen“ … oder dir suggeriert zu Deiner Heilung gehöre die öffentliche Aufmerksamkeit oder ein gemeinsamer Kampf, … uff der wird Dich halt im Kreislauf halten. Und im Schlimmsten Fall dreht sich Dein Leben nur noch um „die Narzissten“ weniger um Dich und all die anderen Dinge die, die Welt hergibt.

Bist Du betroffen, such Dir professionelle Hilfe und nein, die zeichnet sich nicht automatisch durch Klickzahlen oder einem Expertenstatus aus. Mehr dazu: https://schutzgarten.wordpress.com/2018/02/23/der-missbrauch-des-narzisstischen-missbrauchs/

Ich denke, als Aufklärer und Hilfe zur Selbsthilfe-Anbieter ist man eben auch aufgefordert die eigenen Narrative zu überprüfen und nach und nach mit Mythen und Verallgemeinerungen aufzuräumen. Wissen und Wut transformieren, eigene Anteile prüfen und zu sich finden sind wichtige Prozesse – im Idealfall finden diese statt, bevor Du Dich als ehemaliges Opfer in die Aufklärung stürzt und anderen helfen willst.

Diesbezüglich erinnere ich mich gern zurück an dieses Event 2019 von Sound True:
https://schutzgarten.wordpress.com/2019/11/16/7-wahrheiten-zum-understanding-narcissism-summit-2019/
Ich kann nachvollziehen, warum Coaches, wie Kim Saeed, Abstand genommen haben von Konferenzen zum Thema. https://kimsaeed.com/2020/10/11/the-expensive-truth-about-free-narcissistic-abuse-recovery-summits/

Dennoch: 1. Juni ist WNAAD und somit verbleib ich mit dem Mantra
Ich sehe Dich, ich höre Dich und ich glaube Dir.

Willst Du den Wunderland- und Überlebensmodus verlassen und zum Lernmodus sowie in die Erholungsphase mit Achtsamkeit gelangen, können Dich meine Kenntnisse, verschiedenste Methoden und Strategien unterstützen. Da braucht jeder seine individuellen Möglichkeiten, kaum Schema F.

Spar Dir Geld, Zeit und Nerven – melde Dich und wir schauen gemeinsam, ob eine Zusammenarbeit für Dich und mich in Frage kommt.
Bei mir findest Du online und telefonisch individuelle, diskrete Fachberatung und Coaching zum Schutz und Hilfe bei Häuslicher Gewalt und narzisstischem Missbrauchs-Widerfahrnis. Trauma-erfahren und informiert.

die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
Mai 2022

weiterführend:
emotionaler Missbrauchskreislauf
Bist Du bereit zu helfen
Lügen bis der Arzt kommt


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