Was Dir kaum einer der ‚Profis‘ über toxische Beziehungen und Narzissmus erklärt

Ja, Wissen ist wichtig. Ja, Kein-Kontakt in vielen Fällen notwendig. Ja, Ruhe ist notwendig. Ja, eigene Anteile aufarbeiten wollen und angehen ist wichtig. Ja, Unterstützung sinnstiftend. Ja, Geduld.

Dennoch existiert eine Praxis, die vielen die nötige Erholung sowie selbstwirksame Fortschritte verweigert. Und das Perfide daran ist, dass sie dabei der tiefsten Überzeugung sind, sich selbst Gutes zu tun und zu ihrer Heilung beizutragen und es ihnen so vorgelebt wird.

Im Übergang Wunderlandmodus (Noch nicht verstehen, was psychopathologische Verhaltensmuster wie Defizite in Selbstliebe, Intimität und Bindungsverhalten sowie Impulskontrollstörungen mit sich bringen), ist aus meiner Sicht neues Wissen und Zeit und ein erholtes Gehirn nötig, um diese Seite der Neurodiversität, Persönlichkeitstypen und Störungen zu verstehen. Im Idealfall mit einem schutzgärtnerischen Ansatz.

3 Beispiele,
ein weißes Kaninchen und der böse Wolf

Namens-, Geschlechter- und Beispielwahl frei erfunden und beinhalten stark verkürzte Darstellungen. Ich hätte da auch noch 520 andere Beispiele im Kopf.

Karen ist seit 5 Jahren in einer psychopathologischen Liebesbeziehung mit On und Offs.

Sie folgt seit zwei Jahren mehreren Kanälen, die über Narzissmus aufklären und hat schon 20 Bücher zum Thema gelesen. Dies vermittelt Karen zwar stärker das Gefühl, Opfer zu sein und Sicherheit, mit wem sie es zu tun hat, jedoch erleichtert es Karen auch die Schuld zu suchen sowie abzugeben und sich für versiert genug zu halten, ihren Partner zu durchschauen. Jener, der nicht versteht, ist Karens On Off Partner, der innerhalb der letzten zwei Jahre sich wundert, warum sie sich distanziert wovon er sich provoziert fühlt. Ihre Gespräche werden rauer, berechnender und gehen aneinander vorbei. Karen wendet (ihrer Meinung nach) seit 1 Jahr die Grey Rock Methode (für den kurzfristigen Trennungsübergang gedacht bei hochstrittigen und toxischen Beziehungen oder bei Minimalkontakt) an, indem sie unbewusst Stonewalling und Silent Treatment nutzt, dennoch sich stetig auf erneute Treffen einlässt. In Offphasen verstärkt sich ihr Konsum der Podcastfolgen, Blogartikel und Videos zum Thema sowie der Austausch mit anderen Betroffenen und ihren Geschichten. Karen überlegt, ob sie selbst narzisstisch handelt, wird jedoch direkt von anderen Betroffenen ermutigt, dieses opfertypische Verhalten und die Frage danach mache die Frage überflüssig, sie hat ja ganz klar einen narzisstischen Partner.

Maria erlebte vor einem Jahr ein Grand Finale.  
Die Beziehung wurde seitens der anderen Person ohne Klärung beendet. Sie möchte verstehen, was Ihr passiert ist, dazu folgt sie mehren Aktivistinnen, die ebenfalls Ähnliches erlebt haben und mit ihrem Wissen sie nach und nach aufklären. Sie hat viele Fragen und Zweifel, doch die Videos und der Austausch mit anderen Betroffenen helfen Ihr zu funktionieren, sich nicht allein zu fühlen und sich abzulenken. Sie glaubt, jetzt fliegen alle Narzissten endlich auf, denn das haben Ihr Claudine, Undine und Peter im neusten Video über Narzissten und wie sie toxische Systeme aufdeckt, erklärt. Sie überlegt bei einem jener Profis einen Kurs oder Beratung zu buchen, denn ihr geht es noch nicht so gut wie Claudine.

Claudine kommt aus einer narzisstischen Beziehung, hat das erlebt, was Karen und Maria widerfährt und beschließt, über Narzissmus aufzuklären. Sie stellt im regelmäßigen Turnus Videos ins Netz

„Was denkt, sagt und tun Narzissten!“ Dabei verzichtet sie gern auf Quellen und Fachliteratur, weil sie und Menschen wie Karen und Maria es besser wissen, was ihnen passiert und sich die Muster alle gleichen. Zusammen kämpfen sie gegen Narzissmus oder narzisstischen Missbrauch oder toxische Menschen. Claudine blüht auf, wenn sie anderen ihre Geschichte oder Geschichten von anderen erzählen oder lesen kann, sie gründet einen Verein und ist Vorbild für andere, weil sie es geschafft hat. Übrigens hat Claudine Ihr Wissen von

Undine,
die allen erzählt, sie hätte all das Wissen zuerst veröffentlicht und weiterhin in dieser toxischen Beziehung lebt, von der sie allen als Vergangenheit berichtet.

Peter ist selbst Narzisst, kennt sich mit Psychologie aus und klärt auch über Narzissmus auf, natürlich empfindet Peter Kein-Kontakt als Gewalt, es sei denn, es ist wirklich eine Missbrauchsbeziehung oder er führt ihn selbst aus, sonst sind aber narzisstische Menschen interessant und auch eine Bereicherung für die Gesellschaft. Das wird Dir aber nur ein Narzisst richtig erklären können. Peter grenzt sich vom Narzissmusopferbashing ab und hört sich gern reden. Lass gern ein Like da bei Peter, buch seinen Kurs oder kaufe eines seiner Bücher, um wirklich alles über Narzissmus und toxische Beziehungen zu erfahren.

Wenn Du möchtest, schreib doch gern Peter Deine Geschichte, er macht gerne ein Video, wo er Deine Mail bespricht. Doch um Peter geht es nicht, oder doch?!

Was haben die ersten drei Beispiele
und Undine gemeinsam?

Keine Diagnosen – schreit Peter. Jein, Peter gehen wir zumindest für die ersten drei Beispiele davon aus, es liegen jene vor. Neben den pauschalen Trugschlüssen wie „Wir, die emphatischen Opfer müssen sich wehren!“, Pauschalisierung, fehlender Risikoanalyse und falscher Erinnerung lauert hier noch eine andere Gefahr, die viele aktive Berater und Coaches verheimlichen oder selbst nicht erkennen. Eine, die toxischen Bindungen grundlegend fördert.

Die Beispiele führen die Beziehung zum toxischen Partner fort auch ohne ihn oder sie oder eine Trennung.

Mithilfe der Videos, Blogbeiträge und der „Gib mir täglich mein Narzissmuswissen“ Dosis. Übrig bleibt, die fehlende Beziehung zu sich selbst. Es dreht sich weiter alles um den goldenen Kackehaufen.

Sie bleiben in der Zweiteilung und nennen es tröstlich Traumabindung. An Trauma kann man sich auf verschiedene Arten binden. Auch aktiv. Das, was dann „guttut“ wird zur Stellvertreterdroge. Statt auszutreten aus Opferkreisläufen – rein in die Opfergemeinschaft. Die Angst vor dem Nichts wird zum heimlichen Verfolger.

„Schau Dir alle Videos von … über Narzissmus an!“ Doch täglich erweitert sich der Content und dies ist dann Deine neue Abhängigkeit. Schreib doch mal Deine Geschichte in die Kommentare … lasst uns öffentlich berichten, was wir erlebt haben und dies wirklich schlimm ist – „Das hilft“ Mantras sind keine Hilfe auch wenn es sich vorerst so anfühlt.

Eher findet eine regelmäßige (Re)Traumatisierung, Verschleppung und Konditionierung statt. Die toxische Beziehung wird verlagert, indem sie wieder und wieder durchlebt wird. Ob sie sich so oder so mit narzisstischen Taktiken oder ihren Expartnern beschäftigen, es führt bei vielen Betroffenen dazu, den Ausgang aus Wunderland schwer zu finden und neues Wissen kaum aufnehmen zu können. Sam Vaknin meinte mal „Pathologie im Narzissmusspektrum ist wie eine Großfamilie.“ Wie viel hat Tante Erna noch mit ihrem Großneffen gemeinsam?

Manchmal frage ich meinen Klienten, die sich in der Narzissmus-Wissensschlaufe befinden:
All das Wissen und Erfahrung und dennoch wunderst Du Dich, fragst Dich?
Suchst Du noch nach einer Bestätigung im Außen?
Führst Du noch den narzisstischen Kampf mit Dir selbst fort?

Befindest Du Dich zurzeit in einer Situation wie dieser, habe ich ein paar schutzgärtnerische Gedanken an Dich. Du darfst sooft in das Labyrinth zurück und nachsehen, ob der goldene Kackehaufen (die toxische Beziehung, Systeme, Muster) vielleicht doch nicht stinkt oder immer noch oder auf welcher Skala oder warum er das tut oder was Du anhand der Form und Farbe erkennen darfst. Du darfst so oft es nötig ist, zu begreifen, dass man durch das Nebel-Nichts hindurch sollte und sich Reinigen um das Labyrinth hinter sich lassen.

Dafür benötigt es einen Fokus auf andere Dinge als goldene Kacke–Haufen oder?

Zugegeben, da existieren viele toxische Labyrinthe und Kaninchenbaus.

Mein Vorschlag: Dein Schutzgarten. Hilf Dir selbst, in dem Du Dir die Art von Unterstützung suchst, die Dir aufgrund von Fachwissen und traumainformiert sowie traumasensibel helfen wollen. Die Dich sehen, hören und Dich unterstützen, statt Dir etwas über andere Menschen erzählen, die Du oder sie nicht kennen und dem Zuschauer suggerieren, aber ja „Du kennst das ja, haben wir ja alles erlebt!“, sondern dabei auch über den pathologischen Narzissmus-Tellerrand hinausschauen. Du bist nicht allein dadurch definiert, was Dir widerfahren ist und da ein goldener Kackehaufen in Deinem Schutzgarten lauert und es braucht Profis, die Dir Anregungen geben, die auf Deine Situation zutreffen.

„Macht es mein Leben besser?“


Ist eine gute Leitfrage, wenn man bereit ist, sie sich ehrlich zu beantworten. Schutzgärtnern ist ein möglicher Weg, sich neuen Entwicklungen zu öffnen. Seine eigenen Imagozellen zu aktivieren und in eine Transformation sowie Integration zu kommen. Und was macht die Raupe, wenn sie genug gefressen hat?

… Nichts.

Sie kann jetzt noch ewig das Leben der Raupen und Gefahren am Boden studieren, rekapitulieren, doch wird sie so kaum auf das Fliegen vorbereitet. Heißt in dem Fall: Erst mal Kokon und dann mal schauen.

Wie das gehen soll? Hör ich Dich zweifeln, wenn das gerade eine neue Perspektive für Dich ist. Im besten Fall gibt es den sicheren Raum für verbale Entlastung, um gehört, gesehen und verstanden zu werden. Dann kann der Rest folgen. Sich schützen und gut überlegen, wie schaut es im Jetzt aus und was braucht es im eigenen Schutzgarten?

Spoiler: Dein ureigenes Baddaboom Baddabing!

Noch Fragen?  Schreib mir per Mail oder hinterlasse anonym einen Kommentar hier unter dem Beitrag.

Vielen Dank an alle die selbst Schutzgärtnern und die Menschen die mir helfen jenes, anderen näher zu bringen. Besonders denen, die in dieser Zeit meine Arbeit finanziell unterstützen. Danke auch im Namen jener, die davon profitieren.

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
Dezember 2022

Unterstützung gesucht?
Terminanfragen für 2023 nehme ich per Mail entgegen.
Du erreichst mich direkt über meine Seite: manjakendler.de

Weiterführend:  
Warum Du diesen Link abspeichern solltest

traumainformierte Beratung und Coaching

Baddaboom Baddabing 12 Schritte zur Heilung

Schmerz in Dir

Vermeide diesen Gaggimist nach narzisstischem Missbrauch

Die Phasen des narzisstischen Missbrauchs Wunderland/Überlebensmodus/Erholungs-Lern Modus



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2 Kommentare zu „Was Dir kaum einer der ‚Profis‘ über toxische Beziehungen und Narzissmus erklärt

  1. Nur mal als Feedback und evt. Ansporn für Mitleser:
    Es sind Beiträge wie dieser, die mir geholfen haben, meinen Fokus neu auszurichten. Genau heute beginnt mein drittes Jahr nach dem Grand Finale, und mittlerweile (ok, bin da vielleicht nicht der schnellsten einer) lese ich zu der Thematik Narzissmus eigentlich nur noch bei dir, und da zentral das, was mich immer wieder zurückfokussiert auf die neue Perspektive, von der du schreibst.
    Übrigens: Cooles Beitragsbild. In sowas hab ich in den letzten zwei Jahren wohl oft reingegriffen. Es lässt nach. Danke dir.

    Gefällt 1 Person

    1. Unfassbar guter Beitrag. Ich habe die zitierte Traumabindung mehr als 10 Jahre erlebt, muss Konatkt wegen der Kinder haben und bin tatsächlich verrückt geworden und fast gestorben. Nun lese ich immer noch jeden Narzissmusquark, ärgere mich permanent darüber, dass jede jeden heute so bezeichnet (tatsächlich ist die NPS nicht einmal anerkannt), anstatt endlich loszulassen. 1000 Dank für Ihre klugen Worte.

      Gefällt 2 Personen

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