Was ist: Narzisstischer Missbrauch?

Narzisstischer Missbrauch bleibt oft unentdeckt und ist hierzulande noch ein gefühltes Tabuthema. Wenn ich jemanden kurz beschreiben müsste, wie es sich anfühlt, dann fällt mir oft, der Frosch im Wasserkochtopf ein, der nicht merkt, wie es heißer und heißer wird. (ja das würde eine Frosch nie tun, es ist eine Metapher).

Knallhart formuliert kann es zu lebensbedrohlichen Situationen führen.
Die Psychologie teilt die Folgen des Missbrauchs in die gleiche Kategorie
wie sexuellen oder körperlichen Missbrauch ein.

Durch die reine Verletzung der Psyche wird es oft zu spät bis gar nicht entdeckt. 

 

In unserer „Ellenbogen“-Gesellschaft wird Narzissmus akzeptiert und gefördert.

Was aber definiert nun diese Art von Missbrauch?

Narzisstischer Missbrauch ist eine Form des Emotionalen Missbrauchs und spricht dem Missbrauchten das Recht auf Gefühle und Bedürfnisse ab. Dabei wird die emotionale Abhängigkeit ausgenutzt, bewusst verletzt und somit missbraucht.

Nicht jeder narzisstische Missbrauch hat einen psychopathologischen Hintergrund.
Doch wenn, funktionalisieren und manipulieren extrem narzisstische Menschen andere, nach ihren Bedürfnissen.

Es gibt weibliche und männliche „Täter“ und jeder Mensch kann theoretisch in ihre Falle tappen. Die Taktiken sind vielfältig, dennoch möchte ich ein paar an der Stelle aufzählen.

Entwerten
Mobbing
passive Aggression
Lügen
Isolation des Partners
Ausschweigen (Verweigerung von Kommunikation)
leere Versprechen
Grenzen überschreiten
Ablehnung und Entwertung der Gefühle des Partners
Dominanz und Kontrolle
Wortverdrehungen
Torpedieren und Sabotieren
Drohungen und emotionale Erpressung

Wenn Sie so etwas, bei Bekannten entdecken oder gerade selbst erleben, ist es wichtig, die darunter leidende Person, gegebenenfalls sich selbst, zu schützen.
Dazu mehr Information unter:
Narzisstischer Missbrauch – was können Angehörige tun?
Und generell gilt: Cut Out! Warum die Trennung vom Narzissten notwendig ist und wie es funktioniert!

Seit dem späten 20. Jahrhundert wendet sich die Psychologie dem Thema: narzisstischer Missbrauch, zu. Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem emotionalen Missbrauch von Kindern und deren spätere Beziehungen.

Die Opfer narzisstischer Eltern sind der Garant für die nächste Narzisstengeneration.

Dabei laufen besonders ehrgeizige, überbehütende oder gewaltbereite Eltern, die Gefahr, die Selbstwertvorstellung des Kindes zu zerstören. Die Beziehung gestaltet sich zunehmend toxisch, tiefe Verhaltensmuster im Umgang mit Gefühlen und Emotionen werden verletzt und neu angelegt, dazu mehr unter: Was haben meine Eltern damit zu tun?
Die Folgen hängen von der Tiefe der Verletzungen und der genetischen Vorbelastung ab. Je weniger Gefühls-Empathie vorhanden ist oder entwickelt wird, desto wahrscheinlicher wird die Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Ich gehe von einer genetischen Vorbelastung aus, da nicht jedes Kind unter narzisstischen Strukturen automatisch zum Narzissten gemacht wird, also wäre ein Blick auf den genetischen (Seelen)-Fingerabdruck, sinnstiftend.

Wird das Kind eine selbstlose Haltung entwickeln und zum perfekten Co-Abhängigen für Narzissten, wird es laut Psychologie als der sogenannte Komplementärnarzisst, und vulnerabler Narzisst eingestuft werden. Hier werden gern traumabasierte Co-Abhängigkeit und verdeckter Narzissmus vermischt. Auch Borderline Muster mit komplexer Posttraumatischer Belastungsstörung (da vieles ähnlich oder auch in Combi auftritt). 

In erster Linie ist der narzisstische Missbrauch eine Grenzbelastung für  die Seele und geht in vielen Fällen mit einer posttraumatischen Belastung als Folge einher. 

Eine Frage der Empathie …

Hier entscheidet das Empathievermögen, spezieller das Einfühlungsvermögen, doch Vorsicht, bis zu seinem 30. Lebensjahr lernen pathologisch narzisstische Menschen zu spiegeln, um ihre Taktiken möglichst lange unbemerkt anzuwenden. Diese sind ein ganzes Arsenal an psychischen Waffen und oft hinterlassen sie, einen breiten Pfad abgebrannter Erde hinter sich.
Auch lässt sich nach außen nicht einfach erkennen, wer Täter oder Opfer ist. Gerade  pathologisch narzisstische Menschen neigen dazu, sich als Opfer zu sehen.

Schwieriger wird es für die Opfer jener. Gequält vom Zweifel, geraden sie in einen Leugnungskreislauf. Gerade Coabhängige, Conarzissten und Menschen im „Wunderlandmodus“  landen so lange in abhängigen Beziehungen, bis sie bereit sind, ihr Trauma aufzuarbeiten. Schließlich warten die Narzissten überall im Job, der Freizeit und Familien. Gerade die Gesellschaft, der heutigen Zeit, ist ein Nährpool für narzisstische Verhaltensweisen. 
Warum es nicht immer die Empathie ist, die zur Falle wird, habe ich hier beschrieben. 

Die Trennung von Narzissten gestaltet sich zur Lebensaufgabe und benötigt wortwörtlich Überlebenswillen, eine Neuprogrammierung und ein gesundes Selbstkonzept. Überlebensmodus und Lernmodus und Erholungsphase. Neben der psychischen Belastungsstörung sind die meisten Opfer hochsensibel (vorwiegend ist hier die diagnostisch erhöhte Wahrnehmungserregung und Empfindsamkeit gemeint nicht das HSP als Merkmal) und haben nicht selten selbst mit narzisstischen Zügen zu kämpfen, die jedoch anders als bei Narzissten, durch ein „Reflektiert sein“ aufzulösen sind.

Typische Merkmale eines narzisstischen Missbrauchs:

Das Gefühl auch in Begleitung „allein“, zu sein
-liegt daran mit Spiegeln (Taktiken der Narzissten) zu kommunizieren.

Selbstzweifel
– liegen am fehlenden Selbstwert, fehlender Selbstachtung und Selbstliebe.

Unterschiedliche Krankheitssymptome ohne Erklärungen.
(Fibromalgie, hyperkinetisches Herzsyndrom, Migräne, Ausschläge)

Verleugnungen (er/sie meint es ja nichts so, wird sich ändern)

PDST (post traumatic stress disorder/Posttraumatische Belastungsstörung)

Schlaflosigkeit / Ruhelosigkeit

Gedächtnisverlust (Minimierung des Hippocampus)

Extreme Angst, um die eigene Sicherheit.

Depression

Scheinbar fehlende Durchsetzungsfähigkeit von eigenen Grenzen.

Das Gefühl: verrückt zu werden.

Unterdrückte Wut

Konstante zweite Vermutung

Entscheidungsschwierigkeiten

Suizid gefährdet

Selbstvorwürfe/ ständiges Entschuldigen (toxische Scham und Schuld)

Wichtig ist, sich psychologisch professionelle Begleitung zu suchen!
Eine Verhaltenstherapie und Traumatherapien, sind in der Praxis oft erfolgreich und notwendig.

Ein Verständnis für Psychopathologie und die Dynamiken.

Noch wichtiger ist es, einen Schutzraum zu erschaffen, in dem man zur Ruhe kommt und sich selbst finden kann. So habe ich den Schutzgarten in mir gefunden und möchte Dich einladen, Dir selbst Deinen Schutzgarten anzulegen, falls Du nicht schon längst dabei bist.

Schutzgärtner-Pro-Tipp und Update 2020:
Mein Buch „92 Tage plus Kein-Kontakt“ -Ein Schutzgarten-Ratgeber für Menschen in und nach narzisstischer Gesellschaft- im Überlebensmodus. Ein Tag für Tag Begleiter, um den Kontaktabstand zu toxischen Beziehungen durchzuhalten und Selbsthilfetipps nach narzisstischem Missbrauch zur Hand zu haben. Seit Juni 2020 über Amazon erhältlich.

Da ich weiß, wie typisch es für die Opfer von narzisstischem Missbrauch ist, jahrelang vor der Erkenntnis fortzulaufen:

Schutz und Unterstützung ist absolut notwendig für die eigene Gesundheit!

Ich wünsche Euch die schönsten Blumen, auf dass sie bald blühen werden.
Fragen an mich, zum Thema könnt Ihr hier stellen!

Eine der wenigen Studien zur genetischen Vererbung.

Die Schutzgärtnerin
Manja Kendler
Stand, September 2016
aktualisiert April 2022
Alle Rechte vorbehalten.

23 Kommentare zu „Was ist: Narzisstischer Missbrauch?

  1. Und es gibt Narzissen, die sich bewusst in der Kirche verkrochen haben.
    Sie haben ein hohes Amt inne in der Hoffnung, dass sie dort sicher sind und es niemand wagt, sie anzugreifen.
    Mir fällt in dem Zusammenhang das Lied von Rammstein ein: „Zeig dich“, in dem es um sexuellen Missbrauch in der Kirche geht. Das passt sehr gut zu dem seelischen Missbrauch, den einige narzisstische kirchliche Würdenträger und Würdenträgerinnen verursacht haben und verursachen.
    Der Papst sagt, dass der Narzissmus die Geißel der Menschheit ist und damit hat er ja so recht.
    Wenn ich mit meiner Geschichte in die Öffentlichkeit gehe, um Aufklärung zu betreiben und um ein Zeichen gegen Narzissmus zu setzen, muss ich davon ausgehen, dass derjenige Suizid begeht, weil er seinen Job und seine Pensionsansprüche verliert…
    Wie dramatisch ist dies für alle Familienangehörigen.

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  2. Mich würde interessieren ob ein Artikel mit einem Neologismus spannender klingen soll. – Genloading- man findet nicht viel, außer links zu diesem Artikel zu diesem Wort.
    Desertieren frage ich mich, was „die Genetischevorbelastung“ mit Narzissmus zu tun hat. Hier wird ein Wort verwendet, welches in diesem Zusammenhang absolut deplatziert ist. Narzissmus hat nichts im geringsten mit Genen zu tun. Narzissmus entsteht durch Einflüsse von außen und durch sich selbst, aber es gibt kein Narzissten Gen, das einem schon „in die Wiege gelegt“ wird. Auch wenn der Artikel es tatsächlich in dem Absatz so aussehen lässt!
    Mit allem anderen Punkten des Artikels stimme ich überein, aber hier in zwei Sätzen mal schnell noch die Gene mit rein zu schieben, ist 1. eine Art „Freibrief“ denn man kann ja nichts dafür die Gene sind schuld und 2. schlicht und ergreifend falsch.

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    1. Zum Wort Gen- Loading es gibt da diesen Satz die Gene laden die Waffen, die Umgebung drückt den Abzug. Werde jedoch eine Aktualisierung vornehmen, da ich es heute so auch nicht mehr Schreiben würde, danke für den Hinweis.

      Es gibt bisher wenig Studien dazu, die sich mit dem genetischen Vorbelastungen beschäftigen, hinzu kommt die Epigenetik und das Thema transgenerationale Traumata.

      Psychopathen die unter den malignen Narzissmus eingeordnet werden, werden so geboren.

      Der Rest laut aktuellem Stand hauptsächlich gemacht.

      Nun wird jedoch nicht jedes Kind von Narzissten zu einem NPSler und da ist es notwendig und unabdingbar auf Hintergründe, wie die dunkle Tetrade oder eben die fehlenden Nährstoffe um gewisse neuronale Verbindungen nicht zu entwickeln, zu schauen. Wann und was eine Entwicklungsstörung entwickelt, kann eben auch genetisch bedingt sein, die Auffälligkeit der „anders“ strukturierten Gehirne ist nachgewiesen.

      zu 1. Bisher ist mir kein Fall bekannt, bei dem diagnostizierte NPSler aufgrund ihrer Störung, für Straftaten, schuldfrei davongekommen sind.

      2. Mag sein, dass dies jemand als falsch einstuft, ich rate was die Psychopathologie betrifft zum Selbststudium mit Fachartikeln, die die Neurologie dahinter mit einbeziehen, mir war es ein wichtiger Faktor, der noch sehr wenig eben untersucht wurde. Ich denke da wird die Zukunft noch weiteres aufzeigen.
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3973692/.

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  3. Ich kann mit dem Begriff „ Konstante zweite Vermutung“ inhaltlich nichts anfangen. Was ist damit gemeint? Könntest Du ihn etwas ausführlicher und mit anderen Worten ein wenig erklären?

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    1. Stetige Relativierung, also das und das ist toxisch … ABER er/sie … hier folgt dann die andere Vermutung, die es relativiert. Vermutung, weil Betroffene oft schwer ein Urteil fällen oder eine konstante Meinung beibehalten.

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